Frühjahrsputz im Paradies

Trashfilm – Die Radioshow #3 – Frühjahrsputz im Paradies.
09.04. von 21:30 – 23 Uhr auf Pi-Radio, 88,4 Mhz oder per Livestream.

Ab und zu muss mal richtig geputzt werden, also auch in den Ecken und unter den Schränken, und wenn Gott anfängt, zu putzen, dann macht er das richtig. Ein kleiner Weltuntergang, danach ist alles schön sauber und es herrscht wieder Ordnung im Stall.  Davon abgesehen: Weltuntergänge machen sich immer gut, das wusste man schon zu Noahs Zeiten. Die Neuverfilmung des 1. Buch Moses (Kapitel 9,8 – 17) bildet denn auch den Schwerpunkt unserer Sendung. Daneben widmen wir uns dem All-Time-Favorit Flugzeugentführung (Non Stop) und werfen einen Blick ins Grand Budapest Hotel.

Live und in 3D. Mit Marion Pfaus, Karsten Krampitz, Claudia Mair, Robert Weber und Anika Grützmacher. Sound: DJ Oz.

 

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Lieber Buddha …

Im nächsten Leben bitte Leuchtturmwärter.

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Frisch gestrichen ist halb geweist

Immerhin sind die Steinsägen im Hof still geworden, dafür toben sich jetzt die Schleifmaschinen an den Treppenhausfenstern aus. Das Treppenhaus hat der alte Treppenhausbesitzer kurz vor dem Verkauf vor zwei Jahren noch flugs renovieren lassen, um einen besseren Preis zu erzielen. Nicht gut genug, meint der neue Treppenhausbesitzer und fängt noch mal von vorne an. Bis Ende Mai werde es wohl dauern, so die Handwerker im Treppenhaus.

Letztes Jahr im Sommer wurden zwei Wohnungen mit großem Getöse renoviert, dieses Jahr Treppenhaus, und Hof. Wirklich wichtig wäre ja eine Wärmedämmung an der Rückwand des Hauses, an der früher mal ein zweites Haus stand, das aber weggebombt wurde, weshalb es im Winter dort immer saukalt ist. Aber Wärmedämmung sieht ja keiner. Treppenhaus schon. Lieber versau ich den Mietern den Sommer, statt ihnen den Winter zu versüßen, mag sich der Hausbesitzer denken. Wenn ich das oft genug mache, ziehen sie vielleicht aus.

Und ich wundere mich, warum ich an Depression und Schlafstörung leide. Vielleicht sollte ich es wie Taxi-Berlin halten, und mich in Beugehaft verlegen lassen. Oder gleich unter die Erde, dann ist endlich gut, und die Leute bringen mir wenigstens was zum Frühstück mit. Zu Lebzeiten kommt da ja keiner drauf.

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Endlich Feierabend

Der Feierabend, er käme, sagt der nette Bauarbeiter bei mir hier im Hof. Bei mir noch lange nicht, erwidere ich. Doch, das sei sicher, früher oder später sei er da, auch für mich, und er mache jetzt Schluss. Morgen um sieben müsse er wieder mit dem Presslufthammer in den Innenhof hineinhämmern.

Bis zur Hüfte hat er sich heute in die Erde hineingehämmert und morgen ginge es tiefer. Nicht, dass ich dann auf seinen Kopf träte, sage ich. Das wäre ok, sagt er, er trüge Helm. Ab ein Meter fünzig wäre das Pflicht, und viel tiefer ginge es nicht hinunter.

Doch, das ginge, meine ich. 20 Meter tief. In 20 Metern würde er dann auf das stoßen, was von mir übrig ist. Und er reicht mir seinen Helm und sagt, da unten, da würd ich ihn brauchen.

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In der Mitte angekommen

Früher war man bereits mit 40 in der Mitte des Lebens angekommen, heute ist das mit 50. Selbst 60jährige fühlen sich wie 30, hab ich irgendwo gelesen. Mittelalter jedenfalls. Früher von 30 – 45, heute von 40 – 60, morgen – wer weiß das schon?

Es käme darauf an, ob man wisse, was die Jugend so für Musik hört, worüber sie nachdenkt oder diskutiert, welche Klamotten sie geil findet und welche Sexualpraktiken. Lesen müsse man viel, klar, die Bücher der Jugend, und sich vor allem umgeben mit der Jugend, also mit Leuten unter 40 Jahren.

Die Jugend ist ok, nehm ich mal an, ich kenne sie nicht. Um ehrlich zu sein, kenne ich überhaupt nur eine Person unter 40, und die ist lesbisch. Schlechte Voraussetzungen für eine Mittelalter-Jugend-Beziehung, v.a. da ich mit lesbischen Sexualpraktiken so gut wie gar nicht vertraut bin, also eigentlich gar nicht.

Jugend benutzt ja viel Smartphone, hab ich gelesen. Also Internet immer und überall. Aus eigener Beobachtung kann ich das nur bestätigen. Ich dagegen habe ein Seniorenhandy, mit großen Tasten, auf dem mich niemand anruft, hat ja auch kaum einer die Nummer, von dem Ding. Ist mir unangenehm, die Nummer meines Handys rauszugeben. Hab ich mir ohnehin nur wegen meiner Frau gekauft, doch die hat mich verlassen.

Der neue ist Belgier, lebt in Belgien, Computertechniker, arbeitslos. Kennen gelernt hat sie ihn während einer Therapie gegen Angststörungen. Früher tablettensüchtig. Also ein arbeitsloser Ex-Junkie mit Angststörung aus Belgien, Computerfritze, immerhin zehn Jahre jünger als sie, auch zehn Jahre jünger als ich, unter 40, jugendlich, vielleicht ist es das, was ihn auszeichnet.

Er heißt Francois oder so. Irgend so ein schwuler, belgischer Name, der mit D anfängt. Also alles nicht gut für mein Selbstwertgefühl. Das ist im Keller. Ein arbeitsloser, schwuler, tablettensüchtiger Belgier mit Angsstörung der mit D anfängt (oder P? Pascal?) spannt mir die Frau aus. Was bin ich dann?

In der Mitte des Lebens angekommen vielleicht. Auf jeden Fall in einer selbstmitleidigen Phase. Soll normal sein, in dem Alter.

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Halber Mensch

Ach, wenn’s nur die Seele wär, das Herz ist es ja auch, Herr Doktor. Von den Zähnen will ich gar nicht sprechen. Ich weiß, im amerikanischen Bürgerkrieg haben die Leute auch gelitten. Kaum ein Mann, der nicht im Felde lag und die Frauen verwitwet zu Hause. Frauen halten das aus. Ich hingegen …

Jetzt bohren Sie schon, schleifen Sie los, mit dem Groben, fräsen Sie’s heraus, das Amalgam meiner Jugend. Ich weiß, Sie müssen sparen, also Schmerzspritze muss nicht sein. Mein Schmerz sitzt ohnehin tiefer als ein freigelegter Nerv. Wenn ich aber die Hand der Schwester … Danke.

Wenn’s Ihnen zu schmerzhaft wird, lass ich die Hand wieder los, liebe Schwester, doch Frauen halten das aus. Mit Tränen in den Augen und Mundschutz vorm Gesicht.

Tapferes Mädchen. Zahnarztschwester müsste man sein, dann würde das gehen, mit dem Herz, und der Seele, vielleicht.

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Studentenfutter – Nichts für Weicheier

Du bist zu alt für Studentenfutter. Zumindest flüstert mir das mein derangierter Backenzahn mit einem hässlichen Knirschen zu. Es ist der rechts unten, ganz hinten, mal sehen, was Dr. Schneider dazu sagt. Der sieht mich auch nur, wenn wieder mal was abgebröckelt ist, aber Dr. Schneider ist cool. Der versteht das. Sagt schon seit Jahren, dass das alles nicht mehr lange gut geht, mit dem Uraltamalgam aus den Siebzigern, aber nie mit Vorwurf. Sagt auch nie, ich solle öfter zum Nachschauen kommen, prophylaktisch. Prophylaxe, macht er wahrscheinlich selbst nicht. Halst sich auch nicht mehr Patienten auf, als unbedingt nötig. Dr. Schneider legt Wert auf geregelte Arbeitszeiten für sich und seine Angestellten und er hält sich an seine Termine. Dr. Schneider. Guter Mann, sehr zu empfehlen. Auch Dr. Kromer (Haut), Dr. Kresse (Augen) sowieso, Dr. Golombek (Psyche) ist ok, Dr. Törne (Sonstiges) nur in Notfällen. Im Alter braucht man ja immer mehr Ärzte.

Ich bin zu alt, nicht nur für Studentenfutter, zu alt auch für für zerstrittene Paare. Ich finde das erschütternd. Man hat sich geliebt, geschwängert und jetzt nur noch fauchen. Beim kleinsten Anlass. Muss doch nicht sein, oder doch? Zu alt auch für das Kind, das sich schreiend auf den Boden wirft, weil man es kurz auf die Seite stellt, damit man durchkommt, mit der Leiter. Oder das sich hinter einem aufbaut und sich dann wundert, wenn man es umwirft, mit dem Arsch. Ist nichts passiert, geschrieen wird trotzdem. Die Kleine schreit wie Oskar, also noch etwas Übung und sie kann meine Brillengläser kaputtschreien, obwohl die mit dem Alter auch immer dicker werden. Vielleicht hat die Frequenz der Kinderschreie aber ausgereicht, um meinen Zahnschmelz zu schädigen, oder dem Amalgam aus den Siebzigern den Rest zu geben, wer weiß. Das sei die Trennung, und der Umzug, und das Neue, die noch nicht ausgepackten Kartons in der Wohnung, der Hustensaft, der auf der Zunge brennt, das hin- und her vom Vater zur Mutter und wieder zurück … Ich bin zu alt für eigene Kinder, aber auch für die der anderen. Wenigstens das.

Du siehst gar nicht so alt aus, wie du bist, sagen einige, andere dagegen: Schon. Dritte wiederum meinen, dass sei doch scheißegal, wie alt man aussehe, weil, da könne man eh nichts gegen machen. Auch wieder wahr. Wieso sehe ich in den Spiegel und frage mich: Bin ich so alt, wie ich aussehe oder werde ich so alt, wie ich mich fühle? Ich hoffe nicht. Anzeichen einer schweren Midlife-Krisis, wofür eigentlich schon zu alt bin. Vor zehn Jahren hätte ich das noch verstanden, aber jetzt? Im Herbst meines Lebens?

Und wieso will eigentlich plötzlich jeder mit mir Kaffee trinken gehen? Vermutlich liegt auch das am Alter. Mit dem Weber, da sollte man eigentlich noch mal Kaffee trinken gehen, bevor er unter der Erde, bevor es zu spät ist. Klar, sage ich. Jederzeit. Ich hab Zeit, im Alter hat man Zeit. Du bist ja noch jung, und dazu noch mit Kindern, beruflich eingebunden sowieso. Ich bin ja mehr oder weniger Teilzeitrentner, also jederzeit, was mich angeht, was Dich angeht, ist’s ja eng, mit der Zeit. Versteh ich. War früher nicht anders, bei mir, als ich noch jung war. Frauen, Termine, Zukunft, alles passé. Die Vergangenheit angefüllt mit verpatzten Gelegenheiten, zerbrochenen Freundschaften, nicht erwiederter Liebe und toten Weggefährten. Also ruf einfach an, wenn Du Zeit hast, locker einfach mal so quatschen, über dieses und jenes, einfach mal Spaß haben, klar, warum nicht – und ich weiß, der Anruf, der kommt nicht. So ein Anruf kommt nie.

Dabei hätte ich Zeit. Man braucht ja auch immer weniger Schlaf, mit dem Alter. Fünf Stunden, die reichen mir völlig. Ich geh um eins ins Bett und wache um sechs wieder auf. Warte, bis das Sonnenlicht die Schornsteine gegenüber erreicht hat und dann steh ich auf. Sitze meine Zeit ab, bis es dunkel wird. So ein Tag ist ja wie ein anderer. Man steht auf, wartet, bis es dunkel wird, bis es Nacht ist, hofft auf einen frühen Schlaf und darauf, dass der Zahn nicht anfängt, zu schmerzen. Am Samstag, da arbeitet auch ein Dr. Schneider nicht.

Antifaltencreme, Koffeinshampoo, Vitamine für Menschen ab 50, Schmerztabletten. Ein Steak sollte man essen, mit viel Vitaminen, stattdessen wird die Rinde vom Toastbrot geschnitten. Dosensuppe statt Bratkartoffeln. Rührei geht auch, und Bananen.

Ein weiterer Zahn, der mich verlässt. Und dann noch einer, bis keiner mehr übrig ist. Bis man sich zahnlos im Spiegel gegenüber steht, hineinstarrt in ein unreflektiertes, unerfülltes, nutzloses und vergeudetes Leben, auf einen Anruf wartet, der nie kommen wird, das Telefon nur noch für den Notruf Verwendung findet, das Fernsehen die sozialen Kontakte endgültig ersetzt und ein Sexualleben nur noch in einer immer weiter verblassenden Erinnerung stattfindet.

Über so was sinniert man nach, im Alter, wenn einem der Zahn abbricht, wegen eines unbedachten Griffes zum Studentenfutter, der Aufdruck eine Warnung an sich, eine Mahnung allemal. Studentenfutter ist nichts für Weicheier, auch nicht das Alter. Kein Wunder, wenn man darüber depressiv wird.

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