Heute wieder Schleiferei und Nähservice

Abgabe von allem zwischen 16 und 18 Uhr in der Baiz, danach Cajun-Blutwurst-Überraschungswestern (20 Uhr).

nähen&schleifen in der baiz_MG_6195Vorsicht, scharf.

nähen&schleifen in der baiz_MG_6198

Vorsicht, süß.

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Den Rest des Jahres mach ich (fast) gar nichts mehr.

Die vier Folgen meiner Krimiserie (März auf SWR 2) sind abgenommen. Änderungswünsche marginal. Internet muss natürlich irgendwie sein. Aber ansonsten: Leckt mich, ich mach dieses Jahr jetzt gar nichts mehr. Das rät mir übrigens auch mein Steuerberater, wegen progressiver Progression usw.

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Entfreundung

Ronja von Rönne hat mich eingeschränkt entfreundet, die andere ganz. Irgendwas mach ich falsch bei den 23jährigen Mädchen. Oder lag es am Heiratsantrag per Facebook?

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50 Paar Schuhe

Sie habe Ihren Nebenjob gekündigt, so meine (äußerst scharfe) koreanische Nachbarin, jetzt ginge nur noch ein paar Schuhe im Monat (vorher zwei). – Die Wohnung müsse ja voll von Schuhen sein, sage ich. – Ja, sie wäre inzwischen zu klein. Ob ich gerade von der Arbeit käme? Fragt sie. – Ich käme immer von der Arbeit, sage ich, ich arbeite pausenlos, man sieht es nur nicht. – Komisch, bei Dir denke ich immer, Du arbeitest nie, sagt sie. – Was für ein schönes Kompliment, denke ich, dann schließen sich die Türen.

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Gehobenes Erdloch

Von meiner virtuellen Freundin Arthurs Tochter stammt dieser Tip, den Sie T.C. Boyles Wassermusik entnommen hat. Ich brauche ein Kamel, unbedingt, und ein Loch zum graben.

Rezept:

Viel Feuerholz
200 Regenpfeifer-Eier
20 Karpfen (Zweipfünder)
500 Datteln
4 Trappen (gerupft und gereinigt)
2 Schafe
1 großes Kamel

ausreichend Doum-Palmenblätter zum Umwickeln des Kamels
Zubereitungszeit: dauert etwas länger
Vorbereitung

Man grabe ein Feuerloch, das geeignet ist, ein gefülltes Kamel aufzunehmen. Das Flammenmeer auf eine ca. 1 m tiefe Lage glühender Kohlen hinunterbrennen lassen.
200 Regenpfeifer-Eier separat hartkochen.
Die geschuppten Karpfen sodann mit den geschälten Eiern und den 500 Datteln füllen.
Die fein gewürzten, gerupften und gereinigten 4 Trappen mit den gefüllten Karpfen füllen.
Die beiden Schafe mit den gefüllten Trappen füllen.
Sodann das große Kamel mit den gefüllten Schafen füllen. Das Kamel kurz ansengen, dann mit Doum-Palmenblättern umwickeln und in der Glut vergraben. Zwei Tage lang backen.

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Zicklein a la Alexis Sorbas

Ziege bzw. Zicklein habe ich tatsächlich noch nie gegessen und als mir die charmante Wochenmarktverkäuferin angeboten hat, eines zu besorgen, also in Teilstücken nur ohne Rücken und Kopf, konnte ich einfach nicht wiederstehen. Zugeben, der Preis, übrigens genau die Summe, die ein Grieche in Griechenland täglich abheben kann, war ziemlich happig, aber den haben wir uns durch vier geteilt und dann ging’s eigentlich. Die Übergabe verlief kurzfristig und höchst konspirativ an einem U-Bahnhof, jetzt musste ich nur noch einen Ort finden, an dem ich ein Loch graben konnte. Also Zicklein im Erdloch war der ursprüngliche Plan. Leider wollte uns keiner in seinem Garten ein Loch graben lassen und so griff ich auf eine andere Methode zurück. Griechisch, klassisch, Alexis Sorbas eben.

IMG_6248Zicklein vom Bio-Bauernhof. Keulen und Schultern.

Vernünftige Rezepte im Internet, bei denen man absolut nichts falsch machen kann, gibt es keine, das soll sich hiermit ändern. Für die Marinade Knoblauch mit Salz zerdrücken, mit Olivenöl, Limettensaft, Pfeffer und Zitronenthymian verrühren, das Fleisch darin wälzen und für zwei bis vier Stunden ziehen lassen.

IMG_6252Ohne Kräuter geht bei mir gar nichts. Rosmarin und Oregano in rauhen Mengen vom Balkon rupfen, das Fleisch darauf betten, ein paar angedrückte Knoblauchzehen dazu werfen und in Alufolie einwickeln.

IMG_6253Jedes Stück wird natürlich einzeln verpackt. Backofen auf 150 Grad vorheizen und bei dieser Temperatur das Zicklein drei Stunden schmoren.

IMG_6254Fertig, köstlich, saftig und zart wie Butter. Dazu gab es Süßkartoffeln und Zaziki. Theoretisch hätten auch fünf davon satt werden können, aber so viel Platz habe ich nicht in meiner Küche. Danke Layne, Rumen und Mareike für den schönen Abend.

Nachtrag: So geht Erdloch.

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20 Jahre Pi-Radio – Kein Grußwort.

Alles war genauso, alles war ganz anders. (David Wagner)

Solange es Pi-Radio in Berlin gibt, solange lebe ich auch hier. Mir ist das erst jetzt aufgefallen. Irgendwann hört man auf zu zählen oder fühlt sich so, als hätte man schon immer hier gelebt. Zumindest mir geht das so.

Gekommen war ich, um irgendwas mit Film zu machen, wie die meisten Schwuchteln, die in den 90igern nach Berlin gezogen sind. Gelandet bin ich beim Radio, was vermutlich an meiner Hackfresse liegt, die kann man dort wenigstens nicht sehen.

Jetzt also, 20 Jahre später, die Anfrage, ein Grußwort zu verfassen, im Namen von jemandem, der seit acht Jahren tot ist. Nicht, dass es Stein gestört hätte, wenn ich Texte unter seinem Namen veröffentlichen würde – es gibt kein geistiges Eigentum, pflegte er zu sagen – aber mich, mich stört es schon. Man soll die Toten ruhen lassen, alles andere kann üble Konsequenzen haben, wie man an der Zombieepidemie 2010 sehen konnte. Von den Medien natürlich vertuscht, gedeckelt, totgeschwiegen. Die Eingeweihten wissen, wovon ich rede, alle anderen sollten den Zombie Survival Guide lesen. Ich meine Ebola – glaubt irgendwer diesen Scheiß?

Stein jedenfalls, maßgeblich dafür verantwortlich, dass ich heute mein Geld im Radio, genauer, mit Hörspielen verdiene, Stein lernte ich bei der Reformbühne kennen, die damals noch im Schokoladen gastierte. In den ersten Monaten, in denen ich dort regelmäßig aufschlug, hielt ihn für einen Running Gag, ein Phantom, ein Hirngespinst, denn er war nie da aber es wurde ständig von ihm geredet und als er eines Tages tatsächlich vor mir stand, war es Liebe auf den ersten Blick.

0214vodoo_07So moderiert man Freies Radio.

Wir hatten die gleichen Interessen – Alkohol und Kiff, wir hatten die gleiche Vorliebe für psychisch gestörte Mädchen und wir liebten es beide, Leute vor den Kopf zu stoßen und das unglaublich witzig zu finden. So dauerte es auch nicht lange, bis Stein im Schokoladen Hausverbot erhielt, weil er die weiblichen Tresenkräfte als frigide Kampflesben bezeichnete, vielleicht auch als etwas anderes, aber es ging in die Richtung. Danach trug er seine Texte vor der Tür vor. Man reichte ihm das Mikro durch einen Fensterspalt nach draußen und fortan konnte man ihn nur noch hören, aber nicht mehr sehen. Radio eben.

IMG_0540So wäre Stein beim Bachmannpreis aufgetreten, vermutlich.

Ähnlich erging es ihm bei der Radio Fritz Sendung Blue Moon, die er mit Wiglaf Droste moderierte. Er hatte den Chefredakteur als Schwuchtel, Nazischwuchtel oder Judenfotze beschimpft, On Air natürlich, und das war dann seine letzte Sendung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Vielleicht hat er auch jemand ganz anderen beschimpft, vielleicht auch mit anderen Worten, aber es ging in die Richtung. (Wer es ganz genau wissen will: http://blogs.taz.de/schroederkalender/2007/10/30/michael-steins-rote-raupen/)

Stein war das egal. Er war ein Radiomann durch und durch, Old-School, nicht so wie heute, wo sich jeder an seinen jämmerlichen Posten klammert oder nur noch auf die Pension wartet, was im Übrigen der wahre Grund für die Zwangsabgabe ist, die Scheiß-Pensionen. Stein jedenfalls war der Rauswurf egal. Ohnehin war ihm alles suspekt, was ihm Geld brachte, weil das an Bedingungen geknüpft war und an Verhaltensregeln, Höflichkeitsfloskeln.

Stein hatte immer die verrücktesten Projekte im Kopf, für die er mich zu gewinnen suchte. Meistens schaffte er es. Ladendetektive in einer Biogenossenschaft sollten wir sein, leider ist nichts draus geworden. Oder Qualitätskontrolleure beim Job-Center, auch das kam nicht über die Planungsphase hinaus. Eine Zaubershow – immerhin, die hatten wir tatsächlich. Und Radio natürlich, Piratenradio, mit dem Fernsehturm als Sendemast, dafür brauchten wir Jero, der sollte uns den Sender zusammenbauen und die Technik schmeißen. Muss ich erwähnen, dass auch dieses Projekt scheiterte?

IMG_3899Jero, eines der wenigen, existierenden Fotos von Bigfoot.

Radio sollten wir dennoch machen. Ein Titel für unsere Sendung war schnell gefunden, Radio Voodoo, weil Stein sich gerade mit schwarzer Magie und eben auch Voodoo beschäftigte. Pi-Radio hatte damals begonnen, sich um Sendefrequenzen zu bemühen. Das ging nur über den sogenannten Veranstaltungsfunk, also immer auf einen bestimmten Zeitraum befristet und unter dem Deckmantel irgendeines soziokulturellen Projektes. Hip-Hop-Sommerradio sollte das erste sein, es wäre, dank Stein, auch beinahe das letzte gewesen. Das Hip-Hop-Sommerradio sollte eine Art Werkstatt darstellen, mit der man Jugendlichen das Radiomachen nahebringen wollte, das war zumindest der Vorwand um an eine Frequenz und Fördergelder zu kommen. Mit an Bord auch die Volksbühne, die einen Raum für das Studio stellte. Es war einer der ersten Sendungen und Stein beschimpfte den Intendanten, also Frank Castorf, als kinderfickenden Juden oder jüdischen Kinderficker, On Air natürlich und die Volksbühne wollte uns den Laden sofort dichtmachen. Das konnten wir nur verhindern, indem wir uns im Studio verrammelten bis es irgendjemand schaffte, die Sache wieder gradezubiegen. Vielleicht war aber auch alles ganz anders, aber es ging in die Richtung.

hörfoto3-1Juniradio, Votzentelekom.

Das zweite Mal, als Stein beinahe ein ganzes Veranstaltungsradio zum Platzen brachte, war das Projekt Juniradio. Wir saßen in irgendeinem Backsteingebäude unweit des Straßenstriches und Stein beschimpfte die Telekom als Votzenverein. Vielleicht kamen auch Nazischwuchteln und Kinderficker in seiner Tirade vor, jedenfalls klingelte sofort das Studiotelefon und irgendein hohes Tier der Telekom war in der Leitung. Die Telekom war Sponsor von Juniradio, in welcher Form weiß ich nicht mehr so genau. Irgendwas mit Technik, ohne die es nicht ging. Jedenfalls konnten sie uns abschalten, was sie auch wollten. Keine Ahnung, wie ich das hingebogen habe, wahrscheinlich durch Arschkriecherei.

Es folgten Reboot FM, Funkwelle, Herbstradio, Radio Einheit und wie die Reihen sonst noch alle hießen. Am Schluss einfach nur noch Pi-Radio. Stein war der Aufwand, jedes mal für eine Sendung ins Studio zu kommen, zumal noch Sonntags Mittag, zu groß geworden. Wir vereinbarten also Telefonreportagen. Legendär sind seine Kommentare zum Spiel BFC-Dynamo gegen Türkieymspor. Die Spieler des türkischen Vereins trugen natürlich grüne Trikots, damit man sie auf dem Rasen nicht so gut sehen konnte und wurden, als Quittung für diese Heimtücke, von den Dynamofans mit Dönern bombardiert. Ein einziges, radiophones Schlachtfeld.

Stein starb, ich machte weiter. Neue Leute kamen an Bord: Karsten Krampitz, Claudia Mair, Helene Hecke, Ahne, Oz, Taxi Berlin und Dietrich Werneburg. Die beiden Letzteren standen eines Sonntags mit einem Fass Bier, einer Schinkenplatte und Soleiern vor der Tür – ich hatte jede Sendung die Hörer dazu aufgerufen, Bier und Brotzeit vorbeizubringen – und von da an kamen sie jede Woche.

IMG_4105Radiobrunch bei Radio Voodoo.

Auch Dietrich ist inzwischen gestorben, freiwillig, 2011, und mit zwei Toten wollte ich die Sendung nicht mehr fortführen. Ohnehin war der Termin, der mir auf der inzwischen fest eingerichteten Frequenz 88,4 von Pi-Radio angeboten wurde, für das Format Radio Voodoo nicht mehr geeignet, und ich schlug eine Filmsendung vor, was dankbar angenommen wurde.

IMG_7086Das letzte Radio-Voodoo-Team. Mittig Dietrich Werneburg.

Trashfilm – Die Radioshow hatte mehr Tiefen als Höhen. Ich verschliss meine Co-Moderatoren zu gefühlten Dutzenden. Zuletzt Karsten Krampitz, weil ich darauf beharrte, dass Leni Riefenstahl Kunst gemacht hätte und sie mit Erich Kästner verglich, der ja auch unter den Nazis Drehbücher verfasst hatte, Baron von Münchhausen war wohl sein bekanntestes aus der Zeit. Karsten jedenfalls. Er schrie, er geiferte, Schaum stand ihm vor dem Mund. Unter den Nazis sei niemals Kunst entstanden und das mit Erich Kästner sei ja wohl etwas völlig anderes gewesen, der hätte ja von irgendwas leben müssen und dies sei seine letzte Sendung mit mir gewesen, weil, wir seien ja wohl alle Nazis, Oz mal ausgenommen, und das war’s dann.

IMG_4061Karsten Krampitz. Krüppel aus dem Sack.

Heute mache ich die Sendung mit Dirk Knieriem und wechselnden Gästen. Freies Radio macht mir immer noch Spaß, wenn auch die wilden Zeiten von früher vorbei sind. Radio Voodoo im Rahmen des Verantaltungsfunks war immer mein persönlicher Höhepunkt des Jahres. Ich erinnere mich gerne daran, wenn auch nicht immer richtig. Der Eine oder Andere wird’s gemerkt haben.

Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum. Wir sehen uns auf der Party.

zirkus

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