Kilroy was here

Am 17.08. um 20 Uhr auf Bayern 2 (Folge 1 und 2), am 24.08. Folge 3 und 4, gleicher Sender, gleiche Zeit.

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Raketenautos und Tulpenzwiebeln #2

Am Donnerstag, 30. Juni um 19 Uhr der zweite Teil der dreiteiligen Lesung. Diesmal mit Spider als  Karsten Krampitz und Robert Weber als Heribert Günzelsau. Um pünktliches Erscheinen und gepflegte Kleidung wird gebeten. Eintritt frei. Ort: Baiz.

Raketenautos und Tulpenzwiebeln #2

Heribert Günzelsau wird in die Psychiatrie eingewiesen, wo man ihm weiszumachen versucht, er habe nie auch nur eine einzige Zeile veröffentlicht, ja, eine Person seines Namens existiere überhaupt nicht. Und tatsächlich, als Günzelsau im Internet Nachforschungen über sich selbst anstellt, scheinen seine Existenz und sein Werk aus dem digitalen Gedächtnis der Menschheit getilgt, was ihn nur in der Annahme bestärkt, es sei eine großangelegte Verschwörung des Literaturbetriebes gegen ihn im Gange.

Als es Günzelsau gelingt, aus der Anstalt zu entkommen, stürzt er in noch größere Verwirrung. In seiner Wohnung lebt ein Fremder, seine alte Freundin Inge will ihn nie gekannt haben, ebenso seine Ex-Frau Hanna. Heimat- und Namenlos, ohne Papiere und Obdach weiß er sich nicht anders zu helfen, als sich als Flüchtling auszugeben, um wenigstens ein Dach über dem Kopf und etwas zu Essen zu haben. Ein fataler Fehler, denn er landet in einem Abschiebelager und sitzt kurz darauf in einem Flugzeug nach Albanien.

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Rechts Robert Weber als Günzelsau, links Spider als Krampitz.

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Heinrich auf RBB-Kulturradio

Am kommenden Freitag, den 10.06. um 22:00 Uhr läuft noch mal mein Hörspiel „Heinrich, Vorname Hauptfeldwebel“ auf RBB-Kulturradio. Dank an Regine Ahrem.

http://www.kulturradio.de/programm/sendungen/160610/hoerspiel_2204.html

 

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Nicht schlecht genug

Selbst für die „Nacht der schlechten Texte“ bin ich nicht schlecht genug. Dabei habe ich mir solche Mühe gegeben mit „Raketenautos und Tulpenzwiebeln“, aber schlechter geht einfach nicht. Auch eine Sache, an der ich arbeiten muss.

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Die Infektion 1 – 3 zum nachhören

Die Infektion I.

Die Infektion II. – Die Insel

Die Infektion III. – Das Boot (URSENDUNG)

 

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Raketenautos und Tulpenzwiebeln #27 und Schluss.

30.04.2016

16:38 Uhr.

Wie konnte es einem Mann mit derart überragenden, intellektuellen Fähigkeiten wie den meinen passieren, die Hinterlist und Heimtücke, die Durchtriebenheit und niederträchtige Bösartigkeit des albanischen Regenten, meines Widersachers, zu unterschätzen? Einem Kuhhirten, der sich vermutlich einst mit einer Ziege entjungfert hat, bin ich auf dem Leim gegangen, habe mich leichtgläubig an den Verhandlungstisch gesetzt, um die Bedingungen seiner Kapitulation auszuhandeln, doch noch ehe ich das von mir vorbereitete Dokument aus der Tasche ziehen konnte, war ich umringt von Söldnern aus CIA-Beständen und starrte in den Lauf eines Sturmgewehrs.

Ich hätte es wissen müssen: Stets wenn sich in einem unterdrückten Lande das zarte Pflänzchen der Freiheit erhob, waren die Amerikaner zur Stelle, um es in ihrer grobschlächtigen Art gewaltsam niederzutrampeln. Mandela, Che Guevara, Mossadegh, Guzmàn, Allende – die Liste der von der CIA gestürzten Volkshelden ist endlos und nun würde sich auch Heribert Günzelsau darin einreihen. Man steckte mir eine gefälschten, deutschen Pass in die Westentasche und zwang mich, unter Waffengewalt, in ein Flugzeug, das mich zurück in die inzwischen ungeliebte Heimat verbrachte. Trotz meiner lautstarken Proteste, ich sei gar nicht jener, dessen Name in den Papieren Erwähnung fand, mich auf meine Abschiebung nach Albanien berufend, zerrten mich, der ich mich mit Händen und Füßen dagegen wehrte, zwei Bundespolizisten mit Gewalt aus dem Kontrollbereich in die Eingangshalle des Tegeler Flughafens und warfen mich dann, wie einen Sack nasser Kartoffeln, vor die Tür, wo ich unsanft auf deutschem Boden landete.

Und so geschah es, dass ich, Revolutionsheld und Großwesir von Albanien, mich plötzlich wieder wie ein geprügelter Hund in den nasskalten Straßen des tristen Berlins wieder fand, mit nichts als den Kleidern, die ich am Leibe trug und dem zerfledderten Manuskript von „Raketenautos und Tulpenzwiebeln“ in der Tasche. Unfähig, eine Entscheidung zu treffen, was denn nun zu tun sei oder wie ich meine Zukunft in die Hände nehmen könne, irrte ich durch die Straßen einer Stadt, die mir fremd geworden war, und abermals lenkte die göttliche Vorsehung meine Füße an einen Ort, der mein Leben erneut aufs Radikalste verändern sollte.

Nachwort von Robert Weber

Als ich Heribert zum ersten Mal begegnete, ich saß, wie üblich, in meiner Stammkneipe, der Baiz, da hielt ich ihn für einen dieser Verrückten, die, vor sich hinbrabbelnd, die Straßen Berlins bevölkerten, aber irgendwie tat er mir in seinem abgerissenen Zustand leid. Ich hatte genügend Geld von meinem letzten Hörspielmanuskript in der Tasche, und so gab es eigentlich keinen Grund, den alten Mann, der sich neben mich an den Tresen stellte und und um ein Glas Leitungswasser bat, nicht zu einem Bier einzuladen, was Heribert dankbar annahm, obschon er, wie er betonte, Retsina und Ouzo bevorzugen würde, aber derartige Kulturgetränke wären in einem solchen Saftladen wohl kaum zu erwarten.

Er käme gerade aus Albanien, wo man ihn gewaltsam zurück nach Deutschland verschleppt hätte um einen Volksaufstand zu zerstreuen, dessen Anführer er gewesen war, und tatsächlich fächerte er vor mir einige zerfledderte Zeitungsartikel auf, die ich zwar nicht lesen konnte, da sie offenbar aus Albanien stammten, aber auf den Fotos war eindeutig Heribert zu sehen und die Schlagzeilen der Artikel beinhalteten stets das Wort „revolucion“.

Wie gesagt, zunächst dachte ich, ich hätte es mit einem Verrückten zu tun, aber das Kneipengespräch nahm eine unerwartet interessante Wendung. Heribert erzählte mir von den abenteuerlichen Umständen, aufgrund derer er nach Albanien gelangt war und schob mir dann einen zerfledderten Packen Papier herüber, das Manuskript seines „Jahrhundertwerkes“, wie er sich ausdrückte und das den absurden Titel „Raketenautos und Tulpenzwiebeln“ trug.

Nach einigen, überflogenen Seiten war mir klar, dass ich nie etwas derart Miserables gelesen hatte, was mich auf Anhieb begeisterte. Ob er nicht Lust habe, einen Auszug davon in der „Nacht der schlechten Texte“ einzureichen, einem jährlich stattfindenden Wettbewerb, der gerade ausgeschrieben war, fragte ich ihn, was Heribert jedoch empört zurückwies. Doch schließlich konnte ich ihn, nach einigen weiteren Bieren, davon überzeugen, dass, sollte er diese fragwürdige Trophäe tatsächlich gewinnen, er zumindest etwas Aufmerksamkeit für sein Manuskript bekommen würde, was für eine Veröffentlichung in der heutigen Zeit unabdingbar wäre, zudem könnte man seine Blog- und Tagebucheinträge überarbeiten und im folgenden Jahr zum Ingeborg-Bachmann-Preis einreichen. Die dazu nötige Verlagsempfehlung wäre nach „Der Nacht der schlechten Texte“ sicherlich kein Problem, und dann wäre ihm eine Veröffentlichung gewiss, trotz dass er nicht über Schönheit und Jugend einer Nachwuchsschriftstellerin verfüge, die in der Verlagslandschaft bevorzugt gehandelt wurden.

Was soll ich sagen? Heribert gewann den Preis für den schlechtesten Text des Jahres und er wurde zum Bachmann-Wettlesen eingeladen, aus dem er als Sieger und Publikumsliebling hervorging. Gefeiert als Enfant terrible der deutschsprachigen Literatur fand „Raketenautos und Tulpenzwiebeln“ einen, wenn auch kleinen Verlag und wurde unerwartet zum Bestseller, der zudem noch verfilmt werden sollte.

Auch heute noch pflege ich mit Heribert, der mich zum Dank zu seinem Agenten ernannte und mit der Ausübung seiner Rechte beauftragte, einen regelmäßigen Briefverkehr, wenn auch das albanische Postwesen nicht sonderlich zuverlässig ist.

Seinem letzten Schreiben zufolge sei er gerade mitten in der Vorbereitung eines weiteren, groß angelegten Feldzuges. Beim letzten Mal sei er zu kleingeistig an die Sache herangegangen, diesmal werde er das Pferd jedoch von hinten aufzäumen und vor den Karren spannen, statt umgekehrt, also ohne Umschweife direkt nach Athen marschieren. Die finanziellen Mittel für ein modernes Waffenarsenal zur Ausrüstung seiner Truppen stünden ihm ja, aufgrund seiner Buchverkäufe und dem Erlös aus den Filmrechten, nun zur Verfügung und selbst die Beschaffung von Panzern, ja Kampfhubschraubern und Kurzstreckenraketen seien in Albanien kein Problem. Zudem verfasse er gerade seine zweite Autobiographie mit dem Titel „Heribert der Große – Meine Kämpfe, meine Siege“ und ich, als sein Agent, solle mir keinen Zwang antun, mich bereits im Vorfeld nach einem renommierten Verlag umzusehen. Er denke da an Suhrkamp, Rowohlt oder Luchterhand. Auch wolle er mir den Posten des Großkonsuls in Deutschland ans Herz legen, sobald er sich zum Regenten des großgriechischen Reiches aufgeschwungen habe. Er erwarte und freue sich auf meine Anwesenheit zur Krönungszeremonie auf der Akropolis, die er im Anschluss restaurieren und wieder in alter Pracht erstrahlen lassen wolle.

Ich hatte keine Ahnung, ob Heribert nun völlig übergeschnappt oder an seinen Ausführungen tatsächlich etwas dran war. Beides wäre ihm zuzutrauen und die Zeit wird es weisen. Letzten Endes ist es aber auch nebensächlich. Denn was wäre schon die Welt ohne Menschen wie Heribert Günzelsau? Ein trostloser, grauer und fantasieloser Ort, und egal, was er in Zukunft zu tun beabsichtigt oder in die Tat umsetzt, es kann eigentlich nur besser werden.

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Raketenautos und Tulpenzwiebeln #26

30.04.2016

17:19 Uhr

Bereits auf den ersten 50 Kilometern des langen Marsches nach Tirana musste ich unter meinem Tross zahlreiche Todesfälle, verursacht durch Herz- und Schlaganfälle, Hirnschläge, Nierenversagen und Thrombosen verzeichnen, und das, bevor auch nur einziger Schuss abgegeben worden war, und ich begann mich zu fragen, ob überhaupt noch jemand am Leben sein würde, wenn ich die Grenze der albanischen Hauptstadt erreicht hätte, doch waren meine Sorgen völlig unbegründet, denn je weiter wir voranschritten, desto größer wurde die Zahl derer, die sich uns anschlossen, was die Verluste mehr als ausglich, hatte sich doch wie ein Lauffeuer herumgesprochen, was das scheinbare Ziel unseres Aufstandes war: Der Anschluss Albaniens an Griechenland und damit an die Europäische Union, wovon sich ein Großteil der einheimischen Volksgruppen, ob sie nun Griechen, Bosniaker, Balkanägypter, Aromuner oder Albaner waren, eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse versprach. Mir ging es natürlich nur um eines, aber ich ließ diese Narren in ihrem Glauben, sie schritten einer glorreichen Zukunft entgegen.

Doch merkwürdigerweise beschlichen mich, je näher wir Tirana kamen, immer größere Zweifel an meiner ursprünglichen Absicht. Was galt denn der Prophet im eigenen Lande? Man hat mich als Geisteskranken abgestempelt, mir jede Existenzgrundlage entzogen, mich wie einen Idioten behandelt und keine Gelegenheit ausgelassen, sich lächerlich über mich zu machen. Meinem literarischen Werk wurde mit Missachtung begegnet, die Mutter meiner Kinder ließ sich vor mir verleugnen, die wenigen Freunde, die ich hatte, bestritten vehement, jemals etwas mit mir zu tun gehabt zu haben und in meiner Wohnung hauste ein Mohr. Was also sollte ich eigentlich dort? Hier hingegen war ich der Anführer einer sich immer mehr ausweitenden Revolte. Man begegnete mir mit Respekt und Hochachtung, mein Wort war Gesetz und wenn ich es geschickt genug anstellte, konnte ich mich zum Staatsoberhaupt eines, wenn auch völlig verwahrlosten Landes aufschwingen. Meine Werke wären Pflichtlektüre in den Schulen und an den Universitäten, ich würde in die Geschichte eingehen … Nein, mein Entschluss stand fest! Die göttliche Vorsehung hatte mich zweifellos hierher geführt und ich wäre ein Narr, würde ich die sich mir bietende Gelegenheit nicht mit beiden Händen am Schopfe packen.

Als die albanische Regierung in ihrer geistigen Stumpfheit endlich zur Kenntnis nahm, dass das, was sich da auf sie zubewegte, sich inzwischen zu einem veritablen Volksaufstand ausgewachsen hatte, war es längst zu spät. Natürlich schickten sie ihre verlotterte Armee gegen uns zu Felde, doch die braven Soldaten weigerten sich, auf ihre Landsleute, ihre Brüder und Schwestern, ihre Väter und Mütter zu schießen, sie liefen in Scharen zu uns über und so hatte die albanische Staatsmacht uns schließlich, als wir die Stadtgrenze von Tirana überschritten, nichts weiter entgegenzusetzen als ein paar verlauste Polizisten und verwirrte Intellektuelle, die von dem Wahnsinnigen aus Deutschland orakelten, der, wie alles von dort, nur von Übel sein könne, wobei sie ausgerechnet bei meinem Erzfeinde, dem Sprachverweser Thomas Mann, eine Ausnahme in ihren Pamphleten machten.

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