Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin

Wahrscheinlich weiß das ja schon jeder, aber man kann unserer Kanzlerin eine E-Mail schreiben, was ich heute gemacht habe. Siehe in diesem Zusammenhang auch …

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

lange habe ich überlegt ob und was ich Ihnen zur o.g. Thematik schreiben soll und, um ehrlich zu sein, ich weiß es immer noch nicht genau, vielleicht fange ich einfach mal ganz ungeordnet damit an, was mir so im Kopf herumgeht.

Als mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass auch das deutsche Bankensystem zusammenbrechen könnte, war meine erste Reaktion: Zur Bank gehen und alles, was über die laufenden Kosten hinausgeht, abheben, denn Sie warben zwar mit Ihrer Zusicherung, die Spareinlagen seien sicher, das würden Sie garantieren, um Vertrauen, aber was ist so eine mündliche Zusage schon wert? Ich erinnere nur an das mittlerweile geflügelte Wort von Herrn Blüm, die Renten seien sicher und, in diesem Zusammenhang auch die Bemühungen der Bundesregierung, den Bürgern die Riesterrente schmackhaft zu machen, die, so wie ich es verstanden habe, nicht einmal unter Ihre Garantieerklärung fällt, aber gut, das ist jetzt vielleicht auch Erbsenzählerei.

Jedenfalls habe ich recherchiert, das die Deutschen insgesamt etwa 4,5 Billionen Euro auf die Seite gepackt haben, also das dreifache der Staatsverschuldung. Wie um Himmels willen wollen Sie für eine derartige Summe einstehen? Oder um es ganz praktisch anzugehen: Ich habe etwas Geld auf dem Girokonto, nicht viel, aber es reicht, um mich einige Monate über Wasser zu halten, wobei ich mich am Existenzminimum bewege. Angenommen, ich würde jetzt dieses Geld abheben wollen und meine Bank sagt, dies sei nicht mehr möglich, kann ich dann zu Ihnen kommen und Sie bezahlen mir das erst mal aus der Portokasse bzw. wo stehen die Geldautomaten der Bundesregierung?

Aber um noch einmal auf den Eingangs erwähnten Punkt zu sprechen zu kommen, meine Überlegung, mein Guthaben sofort abzuheben. Bislang habe ich das nicht gemacht, weil ich mein Geldinstitut, die Sparkasse, für ein seriöses Unternehmen halte. Nun wollen Sie aber die Landesbanken für die Privatbanken einstehen lassen, ich bin nun aber gerade deswegen seit etwa 25 Jahren Kunde bei einer Landesbank weil mir das Geschäftsgebaren der Privaten schon immer suspekt vorkam, trotz oder gerade wegen deren scheinbar günstigeren Konditionen, höheren Zinsversprechen usw. Das ist doch in etwa so, als würden Sie den Arzt meines Vertrauens zwangsweise durch einen Wunderdoktor ersetzen.

Also was raten Sie mir? Soll ich mein Geld auf dem Konto lassen oder wie handhaben Sie das eigentlich mit Ihrem Ersparten?

Der zweite wesentliche Punkt, der wohl nur diejenigen nicht empört, die davon profitieren, ist Ihr 400 Mrd. 500 Mrd. schweres Rettungspaket, von dem ein Großteil wohl dafür gedacht ist, dass sich die Banken untereinander das Geld zuschieben. Ich meine 400 500 Mrd. Euro Steuergelder für faule Kredite auszugeben bzw. für diese zu bürgen, Geld, dass Sie ja gar nicht haben, weil Sie ja selbst mit 1,5 Billionen in der Kreide stehen, das ist doch Wahnsinn. Aus eigener Erfahrung müssten Sie doch wissen, dass ein Großteil dieses Geldes in dunkle Kanäle versickern wird, ganz einfach deshalb, weil das immer so ist, oder wieviel Prozent an Aufbau-, Entwicklungs- und sonstiger Hilfe kommt denn im Schnitt bei denen an, für die es gedacht ist? Und woher wollen Sie das Geld überhaupt nehmen? Drucken Sie das einfach oder erhöhen Sie die Steuern? Und warum sollte man ein derart marodes System überhaupt retten, stützen, am Leben erhalten? Mit gesundem Menschenverstand hat das doch alles schon lange nichts mehr zu tun.

Ich will jetzt die Vorwürfe an Sie und die Argumente gegen Ihre Maßnahmen, die ja an jedem Stammtisch zirkulieren, nicht noch mal anführen, die kennen Sie sicher aus zahlreichen anderen Zuschriften. Vermutlich glauben Sie tatsächlich nach besten Wissen und Gewissen zu handeln, also im Sinne derer, die sich Ihnen anvertraut haben, aber meiner bescheidenen Meinung nach nutzt der von Ihnen propagierte „Instrumentenkasten“ doch im Wesentlichen nur einem kleinen Prozentsatz der Bevölkerung, sagen wir vielleicht 10 Prozent und das ist mit Sicherheit nicht der Bodensatz der Gesellschaft.

Eigentlich wollte ich in diesem Zusammenhang noch auf die Gesetzesänderungen zu sprechen kommen, die den Einsatz der Bundeswehr bei inneren Unruhen ermöglichen, oder die von Herrn Schäuble geforderten, erweiterten Überwachungsmöglichkeiten, was zusammengenommen ein erschreckendes Gesamtbild gibt (vom Abbau des Sozialsystems, der menschenunwürdigen Behandlung von Hartz IV Empfängern, der Demontage des Gesundheitssystems ganz zu schweigen), aber das führt jetzt zu weit, ich habe schon genug von Ihrer Zeit in Anspruch genommen und sicherlich haben Sie gerade auch Wichtigeres zu tun.

Mit freundlichen Grüßen
Robert Weber

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