Bücher, die die Welt nicht braucht

Warum denn um Himmels Willen oder in drei Teufels Namen man  jetzt noch ein Buch über schlechten Sex herausbringen wolle, so der Ausgangspunkt einer, zugegebenermaßen Bier geschwängerten, Diskussion, anstatt mal über guten Sex zu schreiben, sofern er denn einen solchen schon mal gehabt habe?

Guter Sex ist Pornografie, schlechter Sex ist Unterhaltung (= Brüller auf der Herrentoilette) – so könnte man den Standpunkt des Kollegen zusammenfassen, der in diesem Zusammenhang nicht weiter erwähnenswert ist, dessen Sexualleben, so er, aber durchaus zufriedenstellend sei.

Insofern Recht hat er, als dass guter Sex einer gewissen Kunstfertigkeit in der Beschreibung (und Ausübung) bedarf, um nicht ins Kitschige, Klischeehafte oder Pornografische abzugleiten, aber Beispiele, dass dies ohne weiteres möglich ist, gibt es zur Genüge: Allen voran Henry Miller, dicht gefolgt von Anais Nin, Phillip Roth, dem Marquis oder Charles Bukowski.

Über schlechten Sex zu schreiben ist natürlich ungleich einfacher und man ist sich einer schenkelklopfenden, studentischen Leserschaft (Informatiker?), die es nicht besser weiß und sich mit den Protagonisten dieser Geschichtchen identifizieren kann, gewiss. (Prädikat: Pädagogisch fragwürdig)

Verkaufszahlen, so ein Argument, ein Glücksfall für den Verlag so ein anderes, deshalb ja auch eine Fortsetzung von „Sex – von Spaß war nie die Rede“ wo man sich einfach schamlos an Mia Ming’s Debüt „Schlechter Sex“ und Roches „Feuchtgebiete“ angehängt hat, die man auch nicht hat lesen wollen, also ich zumindest nicht. (Da, wo Feuchtgebiete drauf steht, ist Sarah Kuttner drin – oder umgekehrt.)

Nein, ich will nicht wissen, was die Ebelings und Streisands, Hannemanns und Krenzkes, Nefts, Klings, Brandels, Schmidts und wie sie alle heißen in ihren Schlafzimmern nicht erleben, schon gar nicht in Fortsetzung und erst recht nicht in Buchform, weil, um wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren, auch das Schreiben darüber (aber so was von) ein Klischee ist.

Natürlich eine fundamentlose Kritik meinerseits, da ich, wie gesagt, das Buch wie auch alle anderen, in denen das Wort Sex im Titel vorkommt nicht gelesen habe (Sexus jetzt mal ausgenommen) und auch nicht vorhabe, zu lesen, wobei mir vielleicht die eine oder andere Perle entgehen wird, was ich aber verschmerzen kann, genauso wie die Bemerkung des eingangs erwähnten Kollegen, mein Roman sei ja wohl vor allem ein pornografischer, wobei ich allerdings meine, dass schon  die Verkaufszahlen dagegen sprechen, weshalb ich mich freuen würde, wenn mehr so dächten und sich dementsprechend äußerten.

Ein Vorschlag zum Titel der geplanten Veröffentlichung: „Noch schlechterer Sex“ oder „Nasszone“ sind, glaube ich, noch nicht vergeben, aber man sollte sich vermutlich sputen.

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8 Kommentare

Eingeordnet unter scheinwelt

8 Antworten zu “Bücher, die die Welt nicht braucht

  1. Ach, solch Fundamentalopposition ist aber auch langweilig.
    Die Wahrheit ist doch ganz schlicht: Man kann über jedes Thema gut oder schlecht schreiben, und jedes Thema ist es wert, dass gut darüber geschrieben wird.
    Also, ich z. B. kann sehr gut über schlechten Sex schreiben. Sag ich mal.

    Grüße von nebenan!

  2. robertweber

    Nachgetragen noch eine Literaturempfehlung zum Thema: Phillip Roth, Täuschung.

  3. Phillip Roth ist ohnehin toll. Diesbezüglich aber auch groß: Philippe Djian.

  4. robertweber

    Und Houellebecq, besonders Plattform.

  5. Anselm

    Guter Sex bei Marquis de Sade? Robert, Robert…

  6. robertweber

    Oder reicht mir Eure Hand, Ihr Sünder: http://www.eveningservice.com/TakeMyHand

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