Schlafes Bruder

Beim stetigen Tröpfeln des Regens aufgewacht, weitergedöst und wieder eingeschlafen, um 14 Uhr schließlich aufgestanden. Das könnte ich tagelang so machen, und ich fürchte, es ist nicht die Frühjahrsmüdigkeit, es ist die reine Erschöpfung.

Da besinnt man sich der alten Freunde. Ralf Schuster ist so einer, mit dem ich in meinen Jugendjahren durchs Land tingelte und Kabarettbesucher aus den Sälen trieb.

Weber & Schuster 1990, irgendwo

Daneben gaben wir ein Fanzine heraus, ein, wie damals üblich, liebevoll aus Schnipseln zusammengeklebtes und anschließend billig kopiertes Dings …

… Und irgendwann machten wir sogar mal eine Single in einer Auflage von 500 Stück, von denen heute noch dreihundert herumlungern.

Nahezu unverkäuflich, 1990

Unsere Programme trugen Titel wie „Pissed“ oder „Das schrecklichste Kabarettereignis dieser Saison“. Eines unserer Plakate hing eine zeitlang wohl in jeder studentischen Wohngemeinschaft Nürnbergs, leider habe ich keines mehr davon.

Datum unbekannt

Zusammengefasst war es wohl eine Mischung aus Punk & Dada, die uns, auf dem Höhepunkt, sogar in die Feullietongs der Zeit und der Süddeutschen hievte.

Irgendwann landeten wir damit auch für ein dreiwöchiges Gastspiel in Berlin, in der Scheinbar, wo man sich heute noch mit Schrecken an uns erinnert.

Weber & Schuster 1991 in der Scheinbar

Schuster blieb gleich dort, ich zog zurück und ertrank in ländlicher Einöde.

Ochsenfurt 1993 - Weber macht mit Freunden einen drauf

Seit über zehn Jahren lebt Schuster nun in Cottbus, wohin es ihn der Arbeit wegen verschlagen hat. Irgendwas mit Medien an der Universität, eine konsequente Fortführung seiner Anfänge mit der Super 8 Kamera.

Weber und Schuster bei den Dreharbeiten zu "Käptn Flint", 1986

Im Gegensatz zu mir, der ich das Geld immer mit vollen Händen ausgebe, sofern ich es habe, ist Schuster ein sparsamer Mensch, deshalb hat er heute, im Gegesatz zu mir, auch zwei (oder drei?) Häuser. Eines (oder zwei) steht in Cottbus und eines in Lieberose. Und dort steht immer eine Wohnung leer, die Schuster für erschöpfte Schriftsteller zur Verfügung stellt.

Schuster schreibt: „Ob man dort vor Langeweile dahinsiechen wird oder mit geiler Inspiration und bizarren Obskuritäten unterhalten wird, kann man wohl erst sagen, wenn man dort ist.“ Ich werde im April von dieser Eremitage aus berichten. Vier Wochen, so mein Vorsatz, bleibe ich dort. Mal sehen, wie lange ich es aushalte.

Weber & Schuster in Jugoslawien, 1985

Ein aktuelles Foto von uns folgt, sobald ich da bin.

P.S. Mit den Ferienprospekten ist das immer so eine Sache. Schuster hat die Postkartenwohnung inzwischen vermietet. Einquartiert werde ich jetzt dort:

Erinnert mich irgendwie an meine ersten Monate in Berlin, wo ich auf einem Dachboden gehaust habe. Na ja, ein paar Blümchen hier und da und schon sieht es freundlicher aus.

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter scheinwelt

2 Antworten zu “Schlafes Bruder

  1. Du weißt, immer schön die Türe abschließen, dort. Niemanden hineinlassen. Und, selbst wenn es sagt, es sei dein liebes Mütterlein, erst auf die Stimme hören und dir auch die Pfote zeigen lassen und selbst dann trotzdem alles verriegelt und verrammelt lassen. Es wird sicher nicht zu deinem Schaden sein.

  2. robertweber

    1500 Einwohner. Mit denen werde ich fertig.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s