Bimbo II.

Der zweite Brief von „Bimbo an Männli“, zur Verfügung gestellt für die Dokumente der Straße von Robert Rescue, gefunden in einem Loch seiner Wohnung.

21.11.82

Männli,

ich möchte Dir noch soviel sagen.

Ich habe das Bärchen von Dir gefunden, er liegt schon im Bett, mein Gott war das wieder fürchterlich. Das kleine süße Bärchen, den Du so lieb genäht hast. Und die Wärmflasche und und und …

Es sind alles Sachen, die mich so an unsere Zeit erinnern. Dabei ist unsere Zeit doch noch nicht vorbei. Das Telefonat war schön, doch auch sehr schlimm. Alles krampfte sich in mir zusammen + dann sagst Du auch noch „ick hab Dir lieb“, ich dachte, ich müßte sterben.

Ich kann Dir noch nicht mal sagen warum das alles so gekommen ist. War es Frau Sonntag? War es unser zusammenleben was mir oft stank? Wäre es sowieso so gekommen? Ich weiß nur ich möchte nie auf Dich verzichten. Wenn wir uns vielleicht manchmal auch nicht sehen können, aber zu wissen müssen es gäbe Dich nicht mehr, ich glaube ich würds nicht überleben.

Stell Dir vor wir verlieren uns mit der Zeit, es wäre fürchterlich. Ich habe solche Sehnsucht nach Dir, warum könnten wir keine feine Familie sein, ich glaube die Zeit dazu ist einfach noch nicht reif. Vielleicht wird’s aber mal so.

Zausel hart sich vom Schrank gewagt. Lene verfolgt ihn fauchend, der einzige Ort wo sie ihn z. Z. aktzeptiert ist das kleine Zimmer, sie hat ihr Terretorium schon abgesteckt. Zausel war etwas zu spät. Aber sie wird schon schecken, das er dazu gehört. Hier hat Lene die Hosen an. Mein Bett habe ich auch schon gemacht mit dem Bärchen und dem Schal unter’m Kopfkissen, alles wie gehabt. Und doch alles sehr fremd hier für mich. Ich weiß das das hier nicht Dein Zuhause ist, die Seestraße das war immer unser Zuhause, Du lebst noch in unserem Daheim, ich bin in ein neues gezogen. Obwohl wir ja gemeinsam zuhause nicht viel waren, irgendwie warst Du immer da, Dein Werkzeugregal im Flur, wie oft habe ich darüber gemeckert, ich brauchte [mich] nur zu drehen, es waren überall Sachen von Dir. Ich habe das nie so bewußt wie heute gemerkt, viel hat mich ja auch in der See [straße] gestört und doch war es unser kleines Zuhause und schön. Ach ich muß schon wieder heulen. Das schlimmste ist, außer Dir versteht das niemand. Was will ich denn? Habe eine schöne Wohnung, tolle neue Sachen, Warmwasser ne’ Dusche. Da heule ich einer Hinterhofwohnung nach.

Von den Gefühlen, die damit zusammenhängen, hat ja niemand Ahnung. Ich bin gerne über den Hof gelaufen und ich fand ihn auch schrecklich diesen Hof, aber es war doch unser kleines Heim. Du hast dann unser kleines Heim notgedrungen etwas verlassen und doch hängen soviele Erinnerungen dran. Stell Dir vor so’ne Wohnung könnte reden, wieviel Trauriges und Freudiges würde da rauskommen. Ich bin ja auch so froh das Du sie noch hast, unsere kleine Wohnung.

Ob wir hier auch ein paar schöne Sachen erleben?

Ich habe noch gar keinen Bezug zu der Bude hier alles neu, fremd, unpersönlich.

Aber ein Bärchen wird sich hier schon etwas zurecht wurschteln.

Es quält mich auch fürchterlich, das ich Dir die Kinder nicht gelassen habe, aber wäre das auch noch gewesen, es ist vielleicht egoistisch gewesen, aber ich würde mich nie von den trennen können. Es tut mir leid Dir damit auch noch mehr wehgetan zu haben. Ich freue mich auf die Zeit, wo wir wieder gemeinsam spazierengehen.

Zausel kommt auch mal wieder gucken, er läuft ganz vorsichtig.

Ich rauche vielzuviel, aber was mir alles durch den Kopf schießt. Männli mein Herzl ist immer bei Dir, ich freue mich auf Dich.

Ich freue mich schon auf Deinen Anruf. Deine Stimme zu hören, zu wissen es gibt Dich tut so gut. Und die Kinder sind immer Deine Kinder, Du weißt das sie es gut haben.

Ich glaube Du bist sehr einsam, wenn Du nach Hause kommst. Männli, ich bin auch einsam. Ach ich möchte Dich festhalten und weiß das ich es nicht kann.

Holocaust läuft auch, soviel Trennung verkrafte ich nicht, stell Dir vor uns würde es so ergehen. Diese Leute müssen doch sehr stark gewesen sein teilweise. Ich hätte einen Herzschlag bekommen vor Kummer. Eine ganze Welt bricht heute für mich zusammen. Warum ist bei mir nur so das Gefühlsleben ausgeprägt. Meist bin ich traurig und hänge der Vergangenheit nach. Und im Selbstbemitleiden bin ich ja nun auch nicht schlecht. Jetzt denke ich jedoch nur an „Wie geht es Dir?“ Bist Du enttäuscht, resigniert oder was weiß ich.

Dropsel ich habe Dich lieb, vergiß das nicht.

Wenns auch ne’ ulkige Beziehung ist, ich finds schön mit Dir.

Geduscht habe ich auch und mir die Zähne geputzt ich werde mir jetzt immer die Zähne abends putzen. Fein.

Tschiep, tschiep, Bärchen. Ich habe Dir wieder viel Kohl geschrieben wa, aber das war heute für mich ein trauriger Tag. Das mußte ich Dir nu auch noch mal schriftlich mitteilen.

So Schnulli nu’ hops ich ins Bett, mal sehen ob ich schlafen kann. Ich denke an Dich.

Laß Dich Knuddeln

Dein Bimbole + die Kinder

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