Monatsarchiv: Oktober 2010

Die Liebe in Zeiten des Krieges

Herta (1941)

Liebster Hans!

Als Du gestern um 11 Uhr Berlin wieder verlassen hast, habe ich Dir nochmals meine besten Wünsche und mein Herz nachgesandt. Es wird immer bei Dir sein – jede Secunde bei Tag und Nacht!

Hans, die Wochen, die wir zusammen waren, sind mir wie ein Traum gewesen. Doch jetzt ist die Wirklichkeit wieder da! Ich versuche nichts zu denken und nichts zu fühlen und kann es doch nicht, da ich ja nicht tot bin. Und jeder Gedanke an Dich und jede Erinnerung schneidet mir ins Herz. Du weißt, dass die schönsten Stunden am Tage für mich die waren an welchen ich – wenn ich nicht bei Dir war – von Dir träumen konnte. Jetzt ist mir jegliches Denken an Dich  eine tausendfache Qual. Ach, wer doch gefühllos sein könnte wie ein Stein. Meine Wohnung ist mir unerträglich. Jeder Gegenstand erinnert mich mit Entsetzen an unser glückliches Zusammensein. Voll Grauen betrete ich das Schlafzimmer und die Verzweiflung überfällt mich, wenn ich mich in unser Bett legen soll! Und gehe ich daraufhin zurück ins andere Zimmer, so weiss ich nicht in welche Ecke ich blicken soll ohne, dass mir die Tränen kommen. Und jede Träne soll sich als Zentnerlast auf denjenigen senken, der dies alles verschuldet hat. [A.H.?]

Eine schöne Zeit unseres Lebens ist zum Abschluss gekommen. Ich mache einen Gedankenstrich dahinter, vielleicht wird es ja auch ein Schlussstrich sein, wer weiss das jetzt. Alles Glück betrachte ich als gewesen und kein Gedanke an die Zukunft soll mich verleiten, damit eine Brücke über die Gegenwart zu schlagen. Ich glaube nur noch an das Nichts.

Ich erinnere mich Deiner Küsse!

Herta

[Hans kehrt nie wieder zu Herta zurück. Er ist im Krieg verschollen]

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Ein Tropfen Essig …

… koste sieben Tropfen Blut, so meine Mutter immer, wenn ich mir, ihrer Ansicht nach, zuviel Essig in die Linsensuppe gekippt hatte. Der Spruch erschien mir schon als Kind nicht ganz schlüssig und ist inzwischen auch widerlegt. Egal. Essig gehört in die Linsensuppe wie das Schwein ins Schnitzel.

Für die Linsensuppe zunächst Suppenfleisch oder Rinderhesse (Cabanossi, Räucherspeck oder das Wiener Würstchen tun es auch, kommen aber dann erst zum Schluss in die Suppe) etwa 1 1/2 Stunden kochen (nicht in Salzwasser!) herausnehmen, Fett entfernen, kleinschnippeln und mit gehackten Möhren und einer ordentlichen Portion Linsen (völlig egal, welche, grüne, rote, gelbe, ich glaube, nur geschält müssen sie sein) zurück in den Topf geben und eine 3/4 Stunde weiter köcheln lassen. Erst zum Schluss mit Gemüsebrühe salzen (sonst bleiben sie hart, die Linsen) und einen gepflegten Schuss Essig (auch egal, welcher) hinzufügen. Fertig. Phänomenal, billig und gesund. Vegetarier oder Veganer gar können das Fleisch natürlich weglassen.

Kosten: Ca. Fünf Euro für vier, wobei der Hauptanteil das Fleisch ausmacht.

(500 g Suppenfleisch, 200 g Linsen, drei Möhren)

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Frischlingsgulasch nach Landserart

Nachdem mein letzter Eintrag etwas sentimental ausgefallen ist (wer übrigens Angst davor hat, sentimental zu sein, braucht sich nicht wundern, wenn er keine abkriegt), diesmal etwas herbes.

Foto: Dave Pape

Frischlingskeule, so die Fleischereifachverkäuferin, mit der ich gelegentlich auch Rezepte austausche, das seien Keulen dieser niedlichen, kleinen Babywildschweine und daher extra zart, und so konnte ich einfach nicht wiederstehen.

Die Keule in große Stücke zerlegen, pfeffern, salzen und in Olivenöl anbraten (normalerweise hätt ich das Fleisch ein paar Stunden in Buttermilch eingelegt, aber es geht, denke ich, auch so). Mit Wein ablöschen und ab in den Topf zum Gemüse (Möhren, Zwiebeln, Knoblauch, Wacholderbeeren, Lorbeerblätter, Rosmarin, Tomaten, alles grob oder gleich ganz lassen).

Jetzt zwei Stunden köcheln lassen, evtl. etwas Gemüsebrühe aufgießen, zum Schluss ein paar Zitronenscheiben mitschmoren, einen Schuss Sahne hinzu und das ganze mit Beerenmarmelade und Kochbeutelklößen, oder, natürlich besser, selbstgemachten Specksemmelknödeln garnieren, für die ich aber grad keine Zeit habe. Optisches Ergebnis folgt in zwei Stunden. So, nu is fertich.

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Brief an die Toten

Mein liebster Freund. Dass Wichtigste für mich ist, dass Du gelebt hast, und nicht wann Du wo oder wie gestorben bist. Schade, dass Du meine Frau nicht mehr kennengelernt hast. Sie wäre Dir eine Wonne gewesen – und ich zweifellos eifersüchtig. Zu Deiner „Party“ gehe ich heute nicht, und auch nicht zu Deinem Grab. Ich weiß nicht, was dieses häufchen Erde mit Dir zu tun haben soll. Meine Gedanken sind oft bei Dir und ich weiß, Du bist bei mir und passt auf mich auf, so, wie wir es verabredet haben.

In Liebe

Robert

(Für Stein)

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Rambo III.

Nachdem ich letzte Woche nach einer halben viertel Stunde aufgegeben habe, dem zweiten Teil von Rambo einen Sinn abzugewinnen, fiel mir das gestern beim dritten Teil leicht. Hier kämpfen die Amerikaner, vertreten durch Rambo und Trautman, gemeinsam mit den Mudschaheddin gegen die bösen Russen, die auch davor nicht zurückschrecken, Gefangene in ihren Kellern zu foltern. So ändern sich die Zeiten. Im Nachhinein hat der Film eine prophetische Qualität.

Colonel Trautman: „Ihr habt es bislang mit eurer hochgerüsteten Militärtechnologie nicht geschafft, ein paar schlecht bewaffnete Ziegenhirten zu besiegen, ihr werdet es auch in Zukunft nicht schaffen. Afghanistan kann man nicht besiegen, niemand kann das, ihr werdet verlieren.“

Tja, hätten die deutschen Politiker mal Rambo gesehen, wäre ihnen einiges erspart geblieben.

Oder die, im Nachhinein unheimlichen Abschiedsworte von John Rambo:

Ein afghanischer Kindersoldat: „Musst du wirklich gehen? Kannst du nicht bei uns bleiben?“

John Rambo: „Nein, ich muss gehen. Aber ich komme wieder, und dann bleibe ich.“

Auch für Sprüche wie: „Gott vergibt, Rambo nie“, muss man den Film einfach gernhaben.

(Alles Gedächtniszitate und nur sinngemäß.)

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Van Diemen’s Land

Geht atmosphärisch eigentlich in eine ähnliche Richtung. Thematisch: Survival of the Sickest. Zwiespältig.

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Walhalla Rising

Düster und spröde wie eine nordische Sage. Eine Mischung aus Werner Herzog, Lars von Trier und Akira Kurosawa. Empfehlenswert.

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