Nimm das, Schwabe!

UPDATE

Der Text wird von mir am kommenden Sonntag, 13.01., 20.15, bei der Reformbühne Heim und Welt im Kaffee Burger, Berlin vorgetragen.

Nachdem es mein Freund Taxi Berlin mit seiner, doch eher belanglosen Schwabenhatz, bis in den Stern geschafft hat, darf ich natürlich hinten anstehen. Dort ist auch der deutlich bessere Platz, um anderen in den Arsch zu kriechen, und ohne das kommt man, ob Schwabe oder nicht, hier in Deutschland nicht vorwärts. Ein offenes Wort wird selten geschätzt, schon gar nicht in der Öffentlichkeit.

Die größte Vereinigung von Arschkriechern findet man übrigens im Bundestag. Kaum einer, der mal das Maul aufmacht, um zu sagen was Sache ist. Merkel bekommt Beifall, wenn Sie, wie kürzlich, an die Bevölkerung und sich selbst (haha) apelliert: Wir müssten den Gürtel enger schnallen. Applaus, Applaus. Aber erstens sind mit wir nicht die gemeint, die über ein Monatseinkommen von 10, 20.000 Euro aufwärts verfügen, sondern die, denen der Arsch sowieso schon auf Grundeis geht. Bei denen das letzte Loch im Gürtel gestanzt ist, da geht nicht mehr.

Klar, mit 10.000 sind 16 Euro Zwangsabgabe für gebührenfinanzierte Scheiße ein Klacks, bzw. grade mal 0,16 Prozent von allem. Mit 1000 – 1200 Euro sieht das aber schon anders aus. Die gestiegenen Strompreise machen (alles ca.)  z.B. 5 % meines Einkommens aus, für Miete gebe ich 36 % aus, für Internet 3, für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Solidaritätszuschlag noch mal 15 %, eigentlich 30, aber 15 Prozent übernimmt der Staat, also die KSK. Also etwas 60 Prozent meines Einkommens sind im Schnitt weg, und da habe ich noch nicht mal die Steuer bezahlt, sagen wir, da das nun nicht wirklich viel ist, 5 %. Betriebsausgaben schlagen mit etwa 10 Prozent zu Buche, 20 % brauche ich für Lebensmittel, bleiben etwa 5, lass es 10 % sein, übrig für das, was man Leben nennt. Und davon soll ich den Gürtel enger schnallen. Hallo! Erde an Raumstation!

Würde ich das doppelte verdienen, blieben, bis auf die Steuern und die Abgaben für die Sozialversicherung, die Kosten gleich, und je mehr ich verdienen würde, desto weniger Steuern und Sozialabgaben müsste ich zahlen, prozentual gesehen. Die Logik habe ich nie verstanden.

Meine Einnahmen haben sich aber halbiert, weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk, mein Hauptauftraggeber, 50 % seines Budgets einsparen musste, und das bei gleichbleibenden Fixkosten. Gespart wurde also nur bei mir und den anderen Freien, den selbständigen Autoren und Journalisten, den ausgelagerten Produktionsfirmen, kleine Klitschen meist, von denen viele nicht mehr wissen, wie sie die Miete für ihre Geschäftsräume aufbringen sollen. Jetzt nimmt der Rundfunk aber wieder, dank Zwangsabgabe, deutlich mehr ein. Das Geld wird aber nicht bei mir ankommen, sondern bei einer weiteren Show von Markus Lanz, Stefan Raab, Jauch, Beckmann und wie die ganzen Hackfressen alle heißen, bei der Fifa, weil, wo mehr zu holen ist, wird auch mehr verlangt, das Geld wird in weichgespülte TV-Events fließen, die niemanden weiter bringen und nichts hinterlassen, als ein Gefühl der absoluten Leere.

Eine radikale Produktion, und keine Betroffenheitsscheiße, über das, was hier wirklich abgeht, das wäre mal angesagt. Während das Leben von zig Millionen durch immer mehr Abgaben, die keinem Zugute kommen außer denen, die keine leisten müssen, an die Wand gefahren wird, ist das Vermögen der sogenannten „Oberen Zehntausend“ seit den diversen Immobilien-, Finanz- und Eurokrisen um das Doppelte angestiegen, während sich in Spanien die Menschen aus dem Fenster stürzen, weil sie nichts mehr zu fressen haben, während hier in Deutschland ein nicht unerheblicher Teil der werktätigen Bevölkerung trotz Vollzeitjob nebst Teilzeitjob trotzdem um ein paar Brotkrümel vom großen Kuchen bei den Job-Centern betteln gehen muss.

Angst, Leisetreterei und Arschkriecherei, dass ist das Klima, in dem Generationen groß werden, die niemals eine Chance auf eine eigene Jugendkultur oder eine kreative Entwicklung, auf das Aulsoten des eigenen Potentials haben. Denn dafür ist einfach kein Platz mehr in einem Dreckskaff namens Deutschland, auch nicht in Europa und vielleicht auch nicht im Rest der ersten Welt, in dem Kinder noch vor der Grundschule in Chinesisch- und oder Englischkurse geprügelt werden, denen der Studienplatz in Global Economy oder wie der Scheißdreck heißt, schon ins Taufbecken gelegt wird, der große Rest tritt mit zusammengebundenen Armen im Wasser, um nicht abzusaufen.

Diese und die nachfolgenden Generationen werden nie ihre deutsche Welle, ihren Rock’n Roll, ihren Punk, ihre Popper-, HipHop, Rapper oder Hippiekultur haben, keinen Techno, keinen Bowie, keine Sex Pistols, keinen Iggy Pop, kein Nirvana, keinen Faßbinder, keinen Zappa, keinen Achternbusch, keinen Herzog, keinen Kinski, keinen Schlingensief, keinen Bukowski, keinen Borroughs, niemanden, der sich auf der Bühne die Stirn aufschlitzt oder gleich darauf scheißt, sie werden auch keinen Brandt oder Schmidt oder Strauß mehr bekommen, dafür fehlt einfach der geistige Freiraum, die Luft zum Atmen, der Platz zum Tanzen.

Deutschland sucht den Supastar, Lady Gaga, Mario Barth, Paris Hilton, das wird ihre Jugend gewesen sein, auf die sie irgenwann mal zurückblicken, was für ein Horror, und sie können nicht mal was dafür. In diesem Klima kann sich einfach nichts entwickeln außer kulturelle Monokultur, gesellschaftliche Massentierhaltung und geistige Brandrodung.

Früher konnte man sich entscheiden, was man tun wollte. Jetzt muss man dankbar sein, wenn man überhaupt was zu tun bekommt, egal wie schlecht bezahlt. Bloß nicht den Pfad verlassen, bloß nicht ins Abseits gehen, denn sonst findet man nie wieder zurück. Ausprobieren, austoben, ausleben, das war einmal.

Kapitalismus und Unterschicht, das klingt nicht en vogue, aber genauso ist es. Der Kapitalismus frisst seine Kinder, und die Großen kriechen ihm in den Hintern. Die Armen sollen sich verpissen, dorthin, wo man sie nicht sieht, raus aus der Innenstadt, rein ins Ghetto, aber nicht einmal das lassen sie einem. Eine Zusammenrottung von Armut ist genauso untersagt wie Chancengleichheit, freie Berufswahl, Perspektive, Bildung, den ganzen abgedroschenen und trotzdem wahren Schlagwortkram.

Klar, für die, die ins Kapital hineingeboren werden und die, wenn sie mal groß sind, meinen, sie hätten es schließlich auch geschafft, man müsse sich halt anstrengen. Danke, Du Wichser. Fick Dich selbst. Wer von diesen Pennern hat denn in seinem Leben etwas aufgebaut, was nicht schon vorher da war? Das Kapital, das ist ein einziges, großes Abrissunternehmen, sonst nichts. Geld ist nur dann etwas wert, wenn man etwas sinnvolles damit macht, meine Herren, wenn man damit anderen Möglichkeiten eröffnet, statt sie zu verbauen. Ich sehe nicht, dass irgendwo irgendetwas sinnvolles aus dem Reichtum entsteht, der auf Kosten von allen Nicht-Reichen angehäuft wurde und weiter angehäuft wird. Diese ganzen Krisen, derentwegen wir alle den Gürtel immer noch enger schnallen sollen und müssen, sind doch nichts weiter als Gelddruckmaschinen.

Dies wäre alles nicht so schlimm, wenn ihr wenigstens nicht allen anderen die Existenzberechtigung absprechen würdet, den Platz zum Wohnen, das vernünftige Einkommen für geleistete Arbeit, oder einfach nur nichts zu tun, die Möglichkeit, auch mal zu scheitern, oder den Pfad zu verlassen, der langfristig nur ins Nichts führt. In die absolute Leere, in die Ödniss, auf einen Müllhaufen.

Träume und Utopien, der Glaube, dass alles besser wird, wenn nicht jetzt, dann irgendwann, Mut und Hoffnung – all das nehmt ihr und verwandelt es in Apathie und Furcht, Teilnahmslosigkeit und in ein „schlimmer kann es nicht mehr werden-, hoffentlich“ und „hauptsache, ich komme irgendwie zurecht“ Gefühl. Denn es wird nicht besser, es wird tatsächlich alles nur noch schlimmer, nicht, weil es keinen Ausweg gibt oder die Möglichkeiten nicht da wären, sondern weil die Lokomotive einfach  immer weiter fährt und sich niemand ihr in den Weg stellt, weil niemand den Mumm dazu hat, die Weiche neu zu stellen, oder den ganzen Kackhaufen einfach entgleisen zu lassen, um zu sehen, was passiert.

Ihr kotzt mich an, ihr kotzt mich mehr an, als ich es ausdrücken kann, und ich meine ausdrücklich nicht die Schwaben damit, zumindest nicht mehr wie all das andere, elitäre Gesockse, dass sich auf seinen Kontostand, die Eigentumswohnung und die Dekokinder einen runterholt.

Und keiner von den gewählten Volksvertretern zum Beispiel hat den Arsch in der Hose, mal das Maul aufzumachen, aus Furcht, es sich mit irgendwelchen Wirtschafts- oder Finanzheinis  zu verscherzen (außer Sarah Wagenknecht ;-). Der Rest der Menschheit ist bloße Verschiebemasse, stumpfes Gemüse zum ausquetschen, auspressen und abspeisen.

Volksvertreter, wenn ich das schon höre, dass sind Zulieferbetriebe, Dienstboten, Speichellecker, die alles und jeden vertreten, aber nicht das Volk. Ich kann mich wahrhaftig nicht daran erinnern, wann von einem Volksverteter zuletzt irgendetwas vertreten wurde, was in meinem Interesse liegt. Ich glaube, das war irgendwann vor der Ära Kohl, aber vermutlich rede ich mir das schön.

So, und wie man Schnitzel mit Pommes macht, erklär ich Euch ein andermal. Bon Appetit.

IMG_5663

Advertisements

25 Kommentare

Eingeordnet unter scheinwelt

25 Antworten zu “Nimm das, Schwabe!

  1. Andreas

    Mal blöde gefragt……ich kenn nur die „Heiermann“ -Produktion. Aber die war gut und würde auch Super als Podcast klappen. In Eiten von Flattr könnt das doch ein bisschen helfen. Vielmehr wird es nicht sein. Martin Auer war denke ich anfangs auch sehr enttäuscht wie wenig sich sein Experiment mit „Hurentaxi“ als kostenloses Hörbuch im Podcastformat gelohnt hat. Aber ich vermute, dass er das auch nicht mehr machen würde. Aber nen Experiment wäre das doch Wert.

  2. Andreas

    „In Zeiten“ soll das heißen

  3. robertweber

    Klick einfach mal auf Hörspiele, da findest Du etwas mehr als den Heiermann. Podcast machen die Rundfunksender von sich aus, wenn auch nur zeitlich befristet. Ansonsten liegen die Rechte an der jeweiligen Produktion in der Regel bei den Sendern, die sie produziert haben.

  4. Ein Text, der auf die Lesebühne gehört.

  5. robertweber

    Immer nachzufragen, ob ich was vorlesen darf, das ist entwürdigend.

  6. Ganz großartiger Text!

  7. Und wenn ich dir anbiete den Text am Sonntag statt meines ersten Textes bei der Reformbühne vozutragen? Wir könnten uns dann meinen (zugegeben kümmerlichen) Anteil teilen (Anteil teilen, na mir ist nichts Besseres eingefallen).

    • robertweber

      Eigentlich fnde ich das sehr schn, aber Geld mchte ich dafr keines haben. Wenn Du’s machen solltest, sag doch Bescheid, dann komm ich rum.

      Gre Robert

  8. Christoph

    Dazu gehört chuzpe, bei all der Förderung durch öffentlich finanzierte Programmen derart über diejenigen herzuziehen, die für diese Finanzierung verantwortlich sind. Ich meine die Politik und die Leute, die „gebührenfinanzierte Scheiße“ beim WDR, DR-Kultur, RBB-Kulturradio, RBB-Radio Eins, SWR 2 Dschungel, HR XXL Toast (R.I.P.), ORF 1, NJOY und WDR 1Live verzapfen.

    • robertweber

      Was heißt denn hier Förderung? Die bezahlen mich für meine Arbeit, fördern würden sie mich, wenn ich Geld fürs Nichtstun bekomme. Seit wann wird der Maurer vom Häuslebauer „gefördert“? Aber unterm Strich ist es genau die Mentalität, die ich meine. Wir stellen keine Angestellten, keine Arbeiter mehr, sondern wir haben Menschen, die wir mit Niedriglöhnen fördern. Ich kaufe keine Brötchen, sondern ich fördere den Bäcker. Ich warte nur drauf, dass der Begriff „Arbeit“ durch „fördern“ ersetzt wird. Alter, ick lach mir tot. Lass Dir das mal urheberrechtlich sichern, sonst benutzt das jemand von der FDP, ohne, dass Du gefördert wirst

  9. Michael H.

    Geiler Kommentar. Endlich sagt mal einer wie es ist!

  10. So ein Blog ist schon eine feine Sache, gell? Da kann man so richtig die Sau rauslassen. Und manchmal lohnt es sich, die Sau rauszulassen. So wie bei diesem Text. Wenn du wüsstest, wie sehr du mir aus der Seele sprichst. Ist eigentlich schon das Wort „Kapitalismus“ gefallen?

    Ich klick mal auf „Das mag ich“.

    • robertweber

      So ein Blog dient vor allem der Besinnung, dem gepflegten Dialog und der differenzierten Betrachtungsweise. Alle Interessen und Befindlichkeiten sollten Berücksichtigung finden. Für ein rücksichtsvolles Miteinander. Wir wollen doch alle nur kuscheln ;=)

      • Das sehe ich ganz genau so ;-)
        Kuschel-Blogs gibt’s mehr als genug. Aber wem-auch-immer-sei-dank gibt’s auch noch ein paar andere Blogs.

  11. Schade. Der Bogen hätte schön über die Rundfunkgebühr kommend zu den Volksabtretern geschlossen werden können. Von wegen Staatsvertrag.

    • robertweber

      Der Text ist mit sehr schneller Feder gestrickt, und nicht alles ist durchdacht, zugegebenermaßen.

      • Kein Sorge , sollte konstruktive Kritik sein. Ich denke wenn man noch etwas am Text feilt, den Bogen von GEZ über lasche Berufspolitiker zu einem Volk von Untertanen, die mit unterwürfigem vorauseilendem gehorsam jeden Ansatz von demokratischer Diskussion abwürgen.
        Dennoch super. Du rennst offene Türen ein.
        Hartmut

      • robertweber

        Hallo Hartmut,

        ich bin für Kritik sehr empfänglich, ohne Kritik gäbe es nur Stillstand. Außerdem finde ich es für mich sehr positiv, wenn sich jemand die Mühe macht, sich mit einem Text von mir zu beschäftigen. Groß ausfeilen werde ich den jetzt aber nicht mehr. Auf dem Blog kann der so stehen bleiben. Falls eine Anfrage wegen Veröffentlichung kommen sollte, würde ich mich natürlich noch mal intensiver damit beschäftigen.
        Grüße
        Robert

  12. Wilde

    Am Ende bleiben 10% übrig für den Bereich den man FREIZEIT nennt. Überhaupt malst du alles schwarz. Alles wird immer schlimmer. Aber das stimmt nicht. Auf was müsstest du alles verzichten wenn du zurück in die 20er, 50er, 70er müsstest? Wenn du meinst so weise zu sein, dann werde doch Volksvertreter. Vielleicht haben Menschen dann mehr Interesse an deiner Arbeit, und du wirst weniger gehässig.

    • robertweber

      Zurück in die 70er? Nichts lieber als das.

    • Ja auf was müßte man denn verzichten? Schau mal genau hin. Eigentlich nur auf die Vernetzung durch interaktive Elektronik. Und die ist doch bloß ein lächerliches Surrogat für wahre menschliche Interaktion. Aber was würden wir alles gewinnen? Wir müßten z.B. nicht so unter der Wucht der Marketers leiden, die uns zu Anbetern ganzer Firmen werden lassen – Apple vorneweg. Vom Zeitgewinn mal abgesehen.

      • robertweber

        Tatsächlich fällt mir kein einziger Aspekt des Lebens ein, von ein paar medizinischen High-Tech-Sachen abgesehen, der in den 70ern nicht gravierend besser gewesen wäre als heute.
        Gesundheitssystem, Bildungssystem, Entlohnung, soziale Absicherung, eine politisierte Gesellschaft, sexuelle Revolution, Emanzipation, Aids ein Fremdwort … bis hin zu Helmut Schmidt und Strauß. Sogar die Musik war um Klassen besser.
        Kinderarmut, Altersarmut, Hartz IV, extrem erschwerter Zugang für Kinder aus den unteren Einkommensschichten in Sachen Universitätsstudium, Leistungen der Kassen in Sachen Gesundheit, Niedriglöhne, überteuerte Mieten, von den Lohnerhöhungen, wenn es sie denn mal gibt, kann nicht mal die Infaltionsrate ausgeglichen werden – die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Oder wollen Sie mir den Fortschritt in der Krebstherapie und das Internet als Heilsbringer verkaufen?
        Also Herr Wilde, ich bin gespannt auf Ihre Liste dessen, für was ich dankbar sein soll bzw. was in den 70ern schlechter war als jetzt. Die von Ihnen erwähnten 50er kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen, sieht man mal von einer extrem konservativen Gesellschaft ab, die allerdings schon im Aufbruch begriffen war. Über alle Jahrzehnte vorher brauchen wir allerdings nicht streiten.

  13. robertweber

    Aber ich vermute mal, dass Sie letzlich nahezu ausschließlich auf die DDR anspielen. Ich bin aus dem Westen, und erdreiste mich nicht, über die damaligen Zustände dort zu urteilen. Aber was ich, ohne schlechtes Gewissen, sagen kann ist, dass die Widervereinigung so nie hätte stattfinden dürfen, auch wenn sie hat stattfinden müssen. All die nachfolgenden Probleme sind letztlich auf den Geltungsdrang eines einzigen Mannes zurückzuführen, Helmut Kohl und seine Großmannssucht. Und sagen Sie nicht, hinterher ist man immer schlauer. Das hat man vorher auch schon gewusst, dass das so nur mit erheblichen Nachteilen für alle laufen würde (10 % mal ausgenommen, die sich daran bereichert haben, dieselben 10%, die sich heute auch an den Krisen bereichern).

    • Schöner Tippfehler … Widervereinigung. Aber Spaß beiseite: Man wußte worauf man sich da einließ. Nur hatte man überhaupt kein Konzept, außer dem 10 Stufenplan, den die Kohlregierung angeblich hatte. Der sah eine Angleichung über 10 Jahre vor. Als dan der Ost-Pöbel rumbrüllte daß er lieber in den Westen gehen wenn nicht gleich die Westmark käme, dann warf man das Handtuch , bestand auf Privatisierung und hoffte , der Makrt würde es schon richten. Na hatt er ja. So sieht das dann eben aus – Kahlschlag! Und in der Leere brütet die braune Brut…

  14. robertweber

    Salopp gesagt würde ich sagen: Der ganze Osten wurde einfach verzockt. Klar, ein paar prestigeträchtigen Städten wie Leipzig, Potsdam und Dresden geht’s prima (Halle, Chemnitz, Weimar sind, glaube ich, auch nicht so übel dran) aber der Rest verrottet mehr oder weniger. Außer dem grünen Pfeil hätte man ruhig ein paar mehr Errungenschaften der DDR übernehmen können, aber vielleicht nicht alle Außenstände. Die halbwegs bis gut funktionierenden Betriebe hätte man erhalten und unterstützen können, statt sie ausbluten zu lassen und damit die Arbeitslosigkeit und die Abwanderung verhindern oder doch zumindest abfedern können. Mit der Währungsunion hätte man sich mehr Zeit lassen sollen, trotz Genöle (ist ja auch eine Frage, wie man das vermittelt, das wäre schon gegangen), aber es musste alles jetzt und gleich sein. Klar ist man hinterher immer schlauer, aber in dem Fall war man schon vorher schlauer und hat es trotzdem gemacht. Das war Kohls ganz eigenes Prestigeobjekt, aber letzteres fußt jetzt auch nicht auf harten Fakten, sondern ist meine persönliche Meinung.
    Aber, wie Herr Wilde vorschlug, dann verzieh Dich doch in das dunkle Zeitalter, die 70er – nichts lieber als das. Zeitmaschine bitte. Ich tausche gerne gegen die Annehmlichkeiten des neuen Jahrtausends. Seit den 90ern gab es nur noch, vor allem gesellschaftlich, Rückschritt, lässt man mal die technologische Seite außen vor.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s