Essen ab 50

Das Alter naht wie ein Weberknecht, der sich unerbittlich auf seine Beute stürzt. Die Potenz schwächelt, man nimmt Vitamine für Menschen über 50, lässt seinen 47igsten links liegen, den Alkohol Alkohol sein, zählt die wenigen Freunde, die noch am Leben sind, stellt seine Ernährung auf Schweinfleisch um, überlegt, in einen Schützenverein einzutreten und blickt etwas verloren auf die Tage, die da vor einem lagen.

So wie neulich, als ich meiner lieben Freundin L. einen Überraschungsbesuch abstattete. Nach mehreren Kopfoperationen, drei mehr als kostspielige davon in den USA, liegt sie jetzt in einem Spital in Zürich, wiederum auf eigene Kosten natürlich, denn das deutsche Gesundheitssystem hält ihre Erkrankung für Einbildung, weil sie so selten ist, dass sie in keinem Leistungskatalog vorkommt.

Endstation Hoffnung, ein letzter Versuch, und dann? Wir hoffen das Beste und drücken ihr die Daumen. Die Wagner-Festspiele finden auch im nächsten Jahr statt, dann vielleicht mit ihr; und das Jobangebot aus New York – mein Gott, New York muss halt ohne sie klarkommen, obwohl das nur schwer vorstellbar ist.

Von Ihr stammt jedenfalls dieses köstliche Gericht, bei deren Zubereitung ich sie in flagranti ertappte.

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Die Basis bildet ein Bett aus Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Avocado, weitere Schichten bestehen aus kurz gedünsteten Streifen von Sellerie und Möhren, sowie einigen, blanchierten Broccolieröschen. Abgerundet wird die Kulinarität durch in Sesamöl scharf angebratene Hühnerbruststreifen. Über den gesunden Haufen Zeugs gibt man dann Pfeffer, Salz, Herzkranzgefäß erweiterndes und Cholesterin senkendes Olivenöl, dessen Wirkung man mit einer großzügigen Dekoration, bestehend aus Balsamico Crema, neutralisiert.

Vegetarier können das Huhn weglassen und werden auch ohne glücklich. Ich jedenfalls fühle mich zwei Tage jünger.

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Hells Kitchen

5 Antworten zu “Essen ab 50

  1. JS

    Bist du unter die Köche gegangen?
    Grüße aus Franken
    Jürgen Schroll

  2. robertweber

    Mir sagt leider nur der Name etwas, der Zusammenhang ist mir entfallen. „Schrolli“, wenn ich mich recht erinnere und irgendwas mit Musik? Oder haben wir uns bei Spargeltarzan Chicko kennengelernt?

    • JS

      Das mit der Musik stimmt. Ich habe damals (versucht) Rockmusik gemacht, ungefähr zur selben Zeit als du mit deiner Band erste Gehversuche gemacht hast. Wie habt ihr wieder geheißen? Du am Bass, die Alex an der Orgel und ich glaube der Mario am Schlagzeug. Wer hat da die Gitarre gespielt? Ich glaube einer von den Trekoval. Bin aus Marktsteft und war einer der Käufer deines literarischen Erstlingswerk, die platonische Polygamie des Exhibitionisten Robert W.

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