Monatsarchiv: Mai 2014

Psychophysiognomie im urbanen Raum #10

Der Plan

Mantel schwarz, Hose grau, Bluse weiß, Schuhe lack, Haare gebunden, Brille Fielmann. Abitur 1,2. Derzeit Bachelor, anschließend Master. Eventmanagement, Nebenfach Finanzbuchhaltung. Kreativ durch Improtheater. Der Plan: Fünf Jahre Berufspraxis, Heirat mit Immobilenmakler, dann zwei Kinder. Wohnortwechsel in Peripherie. Gewichtszunahme. Erste Depression. Scheidung. Fitnessstudio, Workout, Selbsthilfegruppe. Rückkehr ins Berufsleben (Kinder flügge), Datenerfassung, Zeitarbeit, 300 Anschläge in 60 Sekunden. Schlafstörung, Medikamente, Suchttherapie, Kontaktanzeigen, Kuraufenthalt. Zweiter Frühling, kirchliche Trauung. Umzug aufs Land. Obstgarten, Töpferkurs, Ehrenamt, Witwenrente. Wiederkehrender Traum: Kirschblüten, die wispernd sich wiegen im Frühlingswind. (Das Glück ist Nahe)*

* Lexikon Traumdeutung.

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Psychophysiognomie im urbanen Raum #9

Spiegeltrinker

Tätowierungen, Jugendknast, Männerwohnheim, Jobcenter. Vorzeitiger Haarausfall, nicht mehr vermittelbar. Klamotten: Humana. Ausdauerndes Zungenspiel, Kiefer rechts unten. Plombenbruch oder Zahnfleischekzem. Markante Magenfalten*, unbehandelter Reizdarm. Oberbauch vorgewölbt, Unterbauch eingezogen. Beine zu dünn, Schultern zu schmal, Füße zu groß. Augen sprunghaft. Nervöser Gang, die Hand fährt umher und sucht nach Scheinbarem. Spiegeltrinker, Pegel im Keller. Links verschluckt ihn die Kneipe, rechts isst jemand zu Mittag.

*Bei Falten, die an beiden Seiten des Mundes von den Nasenflügeln in einer Art Halbkreis bis auf die Mundwinkel laufen, wird auf eine mögliche Darmschwäche hingewiesen. (Nasolabiafalten.de)

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Psychophysiognomie im urbanen Raum #8

Katholische Erziehung

Vertikal wippender Schädel, unsteter Blick, erdwärts gerichtet. Halskette, Kruzifix, Wollmütze, Parka. Der Körper ein Fragezeichen, der Gang gleichzeitig federnd und schleppend. Rudimentäres Sexualleben, katholische Erziehung, möglicher Missbrauch. Zwangseinweisung, medikamentöse Behandlungen mit Mirtazapin und Opipramol*. Ein Kinderrucksack, rot, mit schwarzen, haifischzahnartigen Gumminoppen lässt auf Regression im fortgeschrittenen Stadium schließen. Die eine Tür öffnet sich nicht, die andere bleibt für immer verschlossen.

*Antidepressiva, Indikation auch bei generalisierter Angststörung.

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Psychophysiognomie im urbanen Raum #7

Schwarz macht schlank

Bauch rein, Brust raus, Schultern zurück, schwarz macht schlank, ausladender Rhythmus im Takt der Schritte. Verstohlene Blicke auf BH-lose Mädchen. In langjähriger Beziehung oder seit kurzem getrennt. Rötliche Augen, weiße Ablagerung im Tränenkanal, Wimpernwuchs wuchernd (Glaukombehandlung, Azopt und Travatan*). Erektionsstörungen, Angst vor Erblindung, Todesfall. Mundwinkel gen Erdkern, Lippen angespannt, konträr zu Lachfalten älteren Datums. Die glücklichen Tage von einst. Der Stolz ist gebrochen. Man kämpft um einen Rest von Würde. Hände, tief in den Taschen, suchen nach etwas Greifbarem. 

*Nebenwirkung Travatan: Vermehrtes Wimpernwachstum. (Beipackzettel)

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Psychophysiognomie im urbanen Raum #6

Volkshochschule oder Kunsttherapie

Rock. Darunter: Hose. Darüber: Stiefel. Kunstlederjacke, wegen der Tiere. Frutarier. leptosom*, Haare gouvernant. Tunnelblick. Lippen verächtlich gekräuselt. Gang übertrieben energisch. Spitzes Kinn, vorgereckt. Kein Schmuck aber Schminke. Reste von Farbflecken an den Fingernägeln, Volkshochschule oder Kunsttherapie. Orgasmusprobleme. Kinderlos. Missglückte Ausflüge ins Gleichgeschlechtliche. Shiatsufernkurs, abgebrochen. Gestaltung der Wohnung nach Feng Shui. In warmen Nächten hört man sie weinen.

*Leptosome: mager, zart, eng- und flachbrüstig, mit dünnen Armen und Beinen, körperlich und geistig empfindlich, kompliziert, sprunghaft. (Wikipedia)

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Psychophysiognomie im urbanen Raum #5

Innerer Frieden durch Fußkälte

Ayurveda, Yoga. Urschrei- und Reinkarnationstherapie, betreutes Wohnen, Vegan mit Abstrichen. Barfuß bei Bodenfrost. Innerer Frieden durch Fußkälte, eins mit dem Asphalt, der ja auch nur Natur ist. Batikkleid, Schmucküberhang, groß und glänzend. Hier der Halbmond, da die Sonne, alles dazwischen: Yin und Yang. Im letzten Leben Päpstin, davor Wanderhure, im nächsten Delphin. Entrücktes Lächeln, introspektiv. Klangschalengeneriert. Gott ist eine Frau und jede Frau ist eine Göttin. (Ommmmm.)

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Psychophysiognomie im urbanen Raum #4

Der Mann, der Dieter Moor sein will

Turnschuhe (Nike), Jeans (blau), Troyer (grau), Multifunktionsjacke (rot), atmungsaktiv und wasserdicht. Schirm gegen Regen. Hitze drückend, Fenster geschlossen. Nase glanzlos, Stirn trocken, Gesicht teigig, Teint grau, Lippen bläulich, Blutdruck niedrig, Haare weiß, nach Fasson des Autoren, dessen Buch er zur Hand hat. Identitätsstörung. Pykniker*. Ein Mann, der Dieter Moor sein will.  Lieber einmal mehr als mehrmals weniger. Lachen für die anderen, nicht für sich. Dazwischen tiefsinnig blättern. Der Platz gegen die Fahrtrichtung. Dumpf blickt man zurück auf die entschwindende Landschaft.

*Pykniker: mittelgroß, gedrungener Körperbau, Neigung zu Fettansatz, Brustkorb unten breiter als oben, kurzer Hals und breites Gesicht. Temperament behäbig, gemütlich, gutherzig, gesellig, heiter, lebhaft bis hitzig oder auch still und weich. (Wikipedia)

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