Monatsarchiv: Januar 2016

Raketenautos und Tulpenzwiebeln #9

31.01.2016 – 18:55

Sinnlos. Es ist alles sinnlos. Was habe ich mir für Mühe gegeben und wer war letztlich anwesend? Gauck – nicht gekommen. Merkel – nicht da. Grass – tot. Handke – unabkömmlich. Sloterdijk – verschollen. Precht war da, weil er immer da ist, wenn es was umsonst gibt. Ansonsten eine handvoll aus meinem Freundeskreis, wenn ich ihn so bezeichnen will. Dafür bei Kredithaien den Heimathafen Neukölln gemietet (800 Plätze ohne Bestuhlung). Was für ein Schlamassel. In der Spendendose ein paar Hosenknöpfe. Ich bin am Ende. Ob mir Inge noch mal was leihen wird?

19:30 Uhr

Jetzt nur nicht aufgeben. Die nachfolgende Generation nicht im Stich lassen.

22:45 Uhr

Wenn das deutsche Volk seine Dichter nicht ehrt, dann soll es mit Stumpf und Stiel verrotten, dann soll es untergehen.

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Raketenautos und Tulpenzwiebeln #8

29.01.2016 – 14:15 Uhr

Meine ukrainische Putzfrau, die mir von einem russischen Kollegen vermittelt wurde, hat sich seit zwei Wochen nicht mehr blicken lassen, und alleine werde ich dem Chaos nicht mehr Herr. Betrete ich die Küche, steigen Wolken von Fruchtfliegen auf. In, um und auf der Spüle hat sich eine veritable Pilzkultur auf den Geschirrbergen entwickelt, der Wäschekorb quillt über vor dreckigen Kleidungsstücken. Ich versuche daraus noch eine halbwegs saubere Unterhose zu extrahieren und ein paar Socken, die man noch nicht durch das Schuhwerk riechen kann. Meine Anrufe werden von Olga, so der Name der ukrainischen Perle, nicht entgegengenommen, so dass ich mich zu Fuß auf den Weg zu ihrer Wohnung mache. Ich klingle, sie öffnet.

Olgas Schimpfkanonade würde selbst einen hartgesottenen, fronterfahrenen Landser in die Flucht schlagen, ich jedoch widerstehe dem unwillkürlichen Reflex und gebe Olga mit Händen und Füßen zu verstehen, dass ich zwar Aristoteles und Plinius im Original lesen könne, mir aber das Ukrainische stets fremd geblieben sei. Schließlich erbarmt sich ihre pubertierende Tochter Alena und übersetzt mir das slawische Kauderwelch, das ungebrochen aus Olgas mächtigen Resonanzkörper hervorquillt.

Sie, Olga, weigere sich, noch einmal meine Wohnung zu betreten. Es ekele sie bereits, die Klinke meiner Wohnungstür durch die Putzhandschuhe hindurch anzufassen, vom Gestank meiner Behausung ganz zu schweigen. Die hygienischen Zustände meiner Wohnung seien zudem ihrer Gesundheit abträglich, so habe sie jedesmal mit einem juckenden Hautausschlag zu kämpfen, nachdem sie diese verlassen habe, hinzu kämen Atemwegsprobleme und der Stundenlohn, den ich ihr bezahlt hätte, entspräche mit fünf Euro wohl längst nicht mehr den aktuellen Standards. Mindestlohn, höre ich immer wieder. Kurz, ich solle mein Glück in einer der Flüchtlingsunterkünfte suchen, die derzeit wie die Pilze in meiner Küche aus dem Boden sprössen, sie jedenfalls werde meinen Saustall nicht mehr beseitigen, und ich könne froh sein, dass sie mir nicht das Gesundheitsamt oder das für Schwarzarbeit zuständige Hauptzollamt auf den Hals hetze. Mit einem lauten Knall der Wohnungstür verabschiedet sie sich auf ukrainisch von ihrem einstigen Arbeitgeber, der völlig verdaddert zurückbleibt.

 

14:41 Uhr

Was bildet sich diese fette Matrone aus den Ostgebieten eigentlich ein? In der Ukraine könnte sie sich mit den fünf Euro, die ich ihr die Stunde bezahlt habe, einen Monat über Wasser halten, aber kaum sind sie in Deutschland, stellen sie Ansprüche. Mindestlohn, Sozialversicherung! Was glaubt sie, wo sie hier ist? Im Schlaraffenland? Dankbar bin Olga allerdings für den Tip mit den Flüchtlingsheimen. Werde am Montag mal mein Glück in der Schlange vor dem Amt für Gesundheit und Soziales versuchen. Die syrischen Frauen sind vermutlich von den Segnungen der sozialen Hängematte Deutschland noch nicht so verzogen. Eine leichte Haushaltstätigkeit für drei Euro die Stunde, danach lecken sie sich dort doch die Finger. Möglicherweise gelingt es mir sogar, eine gebildete Akademikerin an Land zu ziehen, jemand mit Esprit und Einfühlungsvermögen in die Gedankenwelt eines Künstlers, eine Philosophin gar.

 

15:05 Uhr

Erhalte erfreulichen Anruf von meinem Anwalt. Er habe bewirkt, dass die Anzeige wegen Volksverhetzung zurückgezogen werde. Meine Theorien zu Göring seien derart krude, dass sie weder die Staatsanwaltschaft noch sonst jemand ernst nehmen könne. Zudem hätte ich mich ja einsichtig gezeigt, indem ich die entsprechenden Passagen aus meinem Blog gelöscht hätte.

15:10 Uhr

Erst jetzt dämmert es mir, was mir mein Anwalt gerade mitgeteilt hat. Was soll das eigentlich heißen, krude Theorien? Rufe noch mal meinen Anwalt an und lasse mir den Namen des zuständigen Staatsanwaltes geben, den ich auch prompt am Telefon habe. Was er denn unter kruden Theorien verstünde, frage ich? Ich sei ein seriöser Schriftsteller der sich auf seriöse Quellen stütze und er habe die Anzeige gefälligst weiter zu verfolgen, allein schon um der Wahrheit willen, auf die das deutsche Volk ein Recht habe. Diese Geschichtsklitterung sogenannter Historiker sei doch unerträglich, ob er mir da nicht zustimme? Die Antwort erfolgt umgehend in Form eines Freizeichens. So nicht, mein Freund und Kupferstecher. Ich werde mich selbst anzeigen. Das letzte Wort in der Akte Göring ist noch nicht gesprochen.

18:12 Uhr

Jetzt aber flugs weiter an die Vorbereitungen zu meinem morgigen Geburtstag. Immerhin gilt es noch 28 Ein-Terrabyte-Platen mit Fotos aus meinem Leben zu sichten. Eine schier übermenschliche Aufgabe, aber wenn sie von jemandem zu meistern ist, dann von mir. Im Fernsehen laufen die Simpsons.

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Raketenautos und Tulpenzwiebeln #7

27.01.2016 – 10:25 Uhr

Gramgebeugt quäle ich mich mit ächzenden Knochen aus meiner durchgelegenen Matraze, die ich in jungen Jahren von der Straße aufgelesen und seither nicht mehr weggegeben habe. Ich kann mich überhaupt schwer von etwas trennen, was meine Wohnung nicht gerade geräumig gestaltet. Als wären die niederschmetternden Nachrichten der letzten Tage nicht schon schlimm genug, quält mich nun auch noch eine verdalemeite Grippe, aber eins nach dem anderen.

Zum Frühstück gönne ich mir Haferflocken, aus denen ich mühsam die Lebensmittelmotten herausklaube und die dazugehörige Milch schmeckt auch schon leicht säuerlich, doch sind das derzeit meine geringsten Sorgen. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat mein Stipendium für „Widerstand im Dritten Reich am Beispiel von Hermann Göring“ nicht nur abgelehnt, sondern dem Schreiben auch gleich eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung beigefügt. Volksverhetzung! Das Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das ausgerechnet mir! Pazifist der ersten Stunde, Kämpfer wider das Vergessen, aktiver Unterstützer der bolschewistischen Volksfront, es ist einfach nicht zu glauben.

11:02 Uhr

Habe mich einigermaßen gesammelt und die Niedergeschlagenheit ist dem Zorn gewichen. Was bitteschön ist denn die Aufgabe des seriösen Journalisten? Die Thesen zweifelhafter Historiker wie Knopp und Fest nachzuplappern? Beileibe nicht. Es geht doch nicht um moralische Zuordnung, sondern um Fakten.

Fakt ist, dass Göring mit der Einberufung der Münchner Konferenz den 2. Weltkrieg um ein Jahr verzögert hat, und damit tausenden das Leben rettete. Fakt ist, dass er über 4000 Kunstwerke aus den besetzten Gebieten in Sicherheit hat bringen lassen und damit vor der Verschleppung und Zerstörung bewahrte. Fakt ist, dass er beim Angriff der alliierten Luftstreitkräfte auf deutsche Städte die Luftwaffe bewusst am Boden gelassen hat und damit Hitlers erfolgsversprechende Verteidigungsstrategie aktiv sabotierte. Fakt ist, dass er die Wende im Russlandfeldzug einleitete, letztlich auch das Ende des 2. Weltkrieges, indem er sich weigerte, eine Luftbrücke einzurichten, um die in Stalingrad eingeschlossene 6. Armee zu versorgen. Sicher, letztgenannte Beispiele haben Zig-Tausenden das Leben gekostet, aber wie Göring bei den Nürnberger Prozessen selbst sagte: „Der Baum der Freiheit muss von Zeit zu Zeit mit Blut begossen werden.“ Fakt ist schlussendlich auch, dass er eine Woche vor Kriegsende versucht hat, Hitler zu entmachten und dafür auf dem Obersalzberg unter Arrest gestellt worden ist.

Für seinen Widerstand im Dritten Reich hat Göring mit seinem Leben, mehr noch, mit seinem Ansehen bezahlt. Wurden nach dem Krieg Schulen, Straßen oder Plätze nach ihm benannt? Nein. Aber einen Geschwister-Scholl-Platz gibt es, nur, weil zwei Hippies ein paar lausige Handzettel verteilt haben. Was für ein Hohn.

12:33 Uhr

Wage einen Blick in den Spiegel. Mir bietet sich ein erschreckender Anblick. Mein einst so wallendes, blondes Haupt ist über Nacht schütter und weiß geworden. Jedes graue Haar heißt Rosa Luxemburg.

12:55 Uhr

Der Deutsche Schriftstellerverband, bei dem ich seit meiner ersten, geschriebenen Zeile Mitglied bin, lehnt es ab, mir einen Anwalt zu stellen. Die Begründung: Bei vorsätzlich begangenen Straftaten greife die Rechtschutzversicherung des DSV nicht.

12:58 Uhr

Ich sollte es nehmen wir Göring, der bei seiner Verurteilung zum Tode gesagt hat: „Wenigstens hatte ich zwölf gute Jahre.“

17:50 Uhr

Vergeblich den Nachmittag über versucht, ein weiteres Kapitel für „Raketenautos und Tulpenzwiebeln“ zu verfassen, aber nicht eine vernünftige Zeile will mir gelingen. Der Dolchstoß der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Verflucht seien sie bis ans Ende ihrer Tage. Auch der erneut gefasste Vorsatz, einen hitlerfreien Tag einzulegen, war einfach nicht umzusetzen.

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Raketenautos und Tulpenzwiebeln #6

23.01.2016. 08:56 Uhr

Habe eine schlaflose Nacht hinter mir, die ich einer grandiosen Geschäftsidee verdanke. Ein profaner Zeitungsartikel liegt weit unter den Möglichkeiten, die die Neuauflage von „Mein Kampf“ dem gewieften Schriftsteller bietet. Warum nicht bei einem renommierten Verlag (Kopp / Grabert / Manuscriptum) zeitgleich eine Monographie veröffentlichen? Natürlich muss ein derartiges Unterfangen die ausgetretenen Pfade eines Guido Knopp meiden wie der Teufel das Weihwasser. Unbekanntes Terrain gilt es zu erkunden, die weißen Flecken des tausendjährigen Reiches. „Widerstand im Dritten Reich am Beispiel von Hermann Göring“, so der Titel meines Erfolgskonzeptes, für das ich sogleich einen Antrag auf ein Stipendium bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung stelle, und das an meinem hitlerfreien Tag. Aber so ist das, mit den Vorsätzen.

11:11 Uhr

Nun aber an die Planung meines in Kürze bevorstehenden 48igsten Geburtstages. Ein rauschendes Fest soll es werden, der Bedeutung meiner Person angemessen. Programmablauf wie folgt:

20 Uhr – Feierliche Begrüßung der zahlreichen Gäste und Würdenträger (Gauck  nicht vergessen!!!).

20:30 bis 22 Uhr – Vorstellung meines bisherigen Schaffens unter Einbeziehung künftiger Projekte (evtl. 1 Std. mehr einplanen).

22:00 bis 24:00 Uhr – Diavortrag über die Stationen meines Lebens.

00:00 bis 2:00 Uhr – Gemütliches Beisammensein.

WICHTIG! Auf Einladungskarten in Fettdruck: Keine Geschenke, bitte nur Geldspenden.

Wenn nur die Hälfte meiner 2.293 Freunde auf Facebook erscheinen und jeder von Ihnen 5 Euro spendet, bin ich aus dem Gröbsten raus.

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Raketenautos und Tulpenzwiebeln #5

22.11.2016 – 14:30 Uhr

Habe meinen ersten Klavierunterricht hinter mir. Meine Lehrerin, die mir dafür ein gesalzenes Honorar abpresst, hält mich für ein Naturtalent. Kann es gar nicht erwarten, den Kindern das Lied vorzuspielen, dass ich bereits nach nur einer Unterrichtsstunde aus dem ff. beherrsche, eine durchaus anspruchsvolle Komposition, eigentlich für Fortgeschrittene, wie meine Lehrerin betonte. Mein Gott, gibt es eigentlich etwas, dass ich nicht kann? Ich bin wahrlich sondergleichen mit Begabungen aller Art gesegnet.

15:28 Uhr

Die Kinder zeigen sich von „Hänschen klein“ nur wenig begeistert. Sie bevorzugen Eminem, so der Tenor. Als hätte etwas klassische Bildung jemals jemandem geschadet. Und wer zur Hölle ist eigentlich Eminem? Muss man den kennen?

15:32 Uhr

Jetzt aber flugs an die Arbeit. Entwerfe ein neues Kapitel für „Raketenautos und Tulpenzwiebeln“. Der Held des Romans, der Fahrer des Raketenautos Meteor, Julius, schenkt seiner Verlobten, Petunia, Tulpen zum Geburtstag. Sie hätte von ihm aber lieber Zwiebeln statt Blüten bekommen. Blumen pflanzen, statt Blumen töten. Leben schenken, statt Leben nehmen. In die Zukunft blicken, statt dem Vergänglichen beim langsamen Verwelken zuzusehen. Also wenn das nicht genial ist, weiß ich auch nicht. Nebenbei formuliere ich die ersten Abschnitte des Artikels „Goebbels und Göring – die Enfant terribles des Dritten Reiches“ für die Junge Freiheit (FAZ, TAZ, Mare, Cicero?). Im Fernsehen läuft Hilf mir! Jung, pleite, verzweifelt.

20:57 Uhr

Vorsatz für morgen: Einen hitlerfreien Tag einlegen.

 

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Raketenautos und Tulpenzwiebeln #4

21.01.2016 – 18:05 Uhr.

Düstere Nebelschwaden umwölken des Dichters Stirn. Erhalte auf mein Exposé zum Radiofeature „75 Jahre 2. Weltkrieg. Die Atombombe – Fluch und Segen der Menschheit“ nichts als Absagen, zum Teil recht forscher Natur, wie z.B. die von „Kakadu“, die mit dem Satz endet „Wir möchten Sie höflichst bitten, in Zukunft von der Zusendung weiterer Themenvorschläge für unsere Kindersendung abzusehen.“

Hirnverbrannte Idioten. Und so was lässt man auf unsere Rentensicherung losgehen. Gerade Kindern sollte man doch die historischen Zusammenhänge zwischen Atombombe und Elektrizität vermitteln, erst Recht in diesen Zeiten, in denen die Gewinnung sauberer Energie wichtiger ist, als je zuvor. Schlimmer jedoch ist, dass die meisten Redaktionen es nicht einmal für nötig befinden, mir überhaupt zu antworten. Jetzt nur nicht entmutigen lassen. Ein neues Thema muss her, und zwar schnell. Mein Dispo ist bis zur Gänze ausgeschöpft, das Job-Center hängt mir im Nacken und der längst geplante Urlaub auf den Malediven soll nicht wegen der Ignoranz so genannter „Kulturträger“ ins Wasser fallen.

19:20 Uhr

Heureka! Ein neues, vielversprechendes Thema. Nach den schlechten Erfahrungen mit den Radiosendern diesmal für die Presse. Scheinen dort wesentlich aufgeschlossener und nicht ganz so rückständig zu sein, wie beim totsubventionierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Kapitalistische Marktwirtschaft hat eben auch seine Vorzüge. Die Neuausgabe von „Mein Kampf“ hat mich draufgebracht. Arbeitstitel: „Goebbels und Göring – Die Enfant terribles des Dritten Reiches.“ Das zur rechten Zeit (Erscheinungstermin „Mein Kampf“) und an der rechten Stelle plaziert (Junge Freiheit / FAZ / TAZ / Mare / Cicero) und ich bin wieder im Geschäft.

19:30 Uhr

Unerfreulicher Anruf von Inge. Sie will endlich die 2000 Euro zurück, die sie mir vor drei Jahren geliehen hat. Bin maßlos verärgert. Was denkt diese blöde Kuh sich eigentlich dabei? Bin ich Krösus? Wenn sie so weitermacht, dann war es das, mit unserer Freundschaft.

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Raketenautos und Tulpenzwiebeln #3

17.01.2016, 11:16 Uhr

Was für ein glorreicher Tag. Ich schäume über vor Ideenreichtum. Vielleicht sollte ich eine Karriere als Pianist ins Auge fassen, das Zeug dazu hätte ich. Tippe mit der linken Hand das neue Kapitel von „Raketenautos und Tulpenzwiebeln“ in mein Laptop, während ich mit der rechten ein Exposé für ein Radiofeature entwerfe. Auf ARD läuft „Die Salzprinzessin“.

75 Jahre 2. Weltkrieg. Die Atombombe – Fluch und Segen der Menschheit.

Als die Atombomben Little Richard und Fat Tony, durch nichts angetrieben außer die Schwerkraft, über Hiroshima und Nagasaki explodieren und damit vor genau 75 Jahren dem 2. Weltkrieg ein Ende setzten, ahnten die Menschen noch nicht, dass ihnen eine strahlende Zukunft bevorstand. Strom aus der Steckdose. Was in den Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch wie Science Fiction klang, ist heute längst Realität geworden.

Bringe noch das Wort „Jubelläum“ unter, um zu verdeutlichen, dass das Feature durchaus unterhaltsame Züge tragen wird und schicke dann das Exposé an alle mir bekannten Redaktionen und Redakteure, darunter zehn bei Deutschlandradio und acht beim WDR. Jetzt heißt es abwarten.

11:44 Uhr

Keine halbe Stunde später erreicht mich die erste Rückmeldung. Sie ist vom NDR. Sehr erfreulich. Habe offenbar die Nase wieder ganz weit vorn. Wo ich bin, ist oben. Meine Journalistenkollegen schlucken nur noch den Staub, den ich aufwirble, während ich ihren träge arbeitenden Provinzhirnen davonstürme.  In freudiger Erwartung öffne ich die Mail.

Sehr geehrter Herr …,

das ist aber ein ganz heißes Eisen, das Sie da anpacken. Sie verfügen offenbar über Quellen, von denen wir Normalsterbliche nur träumen können. Ich kann nur sagen: Die Geschichte des 2. Weltkrieges muss neu geschrieben werden.

Na also. Geht doch. Endlich weiß mal jemand die Qualität meiner Arbeit zu würdigen.

Leider muss ich Ihnen jedoch mitteilen, dass es uns aufgrund der Brisanz des Stoffes nicht möglich ist, das Feature in unserer Sendung „Sport im Norden“ einzuplanen. Da würden denn doch zu viele Köpfe rollen. Wir bedauern dies sehr, hat uns Ihr Exposé doch den ganzen Tag versüßt. Bleiben Sie bei dem Thema aber auf jeden Fall am Ball. Vielleicht haben Sie bei unseren Kollegen der Sendung „Schabat Schalom“, denen Sie das Exposé ja ebenfalls haben zukommen lassen, mehr Glück. Einen schönen Sonntag noch.

Diese Volltrottel vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Feige bis zum geht nicht mehr. Hängen an ihren Posten, wie das Faultier am Eukalyptusbaum. Dennoch sehe ich die Absage eher positiv. Von 378 Redaktionen wird schon eine anbeißen.

13:54 Uhr

Meine Tochter hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass der 2. Weltkrieg nach meiner Zeitrechnung bereits 1941 vorbei war. In der Schule hätte sie etwas anderes gelernt. Na, wird schon niemand merken. Kann schließlich nicht jeder seinen Doktor in DDR-Geschichte gemacht haben.

14:30 Uhr

Frage meine Tochter, was sie mal werden möchte, wenn sie groß ist? Lektorin bei einem renommierten Verlag oder eine berühmte Schriftstellerin, so wie ihr Vater? Wenn ich groß bin, will ich ein Eukalyptusbaum werden, sagt sie, und ob ich ihr zum Geburtstag ein Faultier schenke.

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