Raketenautos und Tulpenzwiebeln #2

11.01.2016

09:15 Uhr

Erwache mit quälenden Hodenschmerzen und einer weiteren Beule am Kopf. Wenn das dass Alter ist, kann ich gerne darauf verzichten.

11:22 Uhr

Gehe an die Überarbeitung des 1. Kapitels von „Raketenautos und Tulpenzwiebeln“. Sind Tulpenzwiebeln rund und Raketenautos silbern? Muss das noch mal recherchieren.

11:28 Uhr

Finde die neue Romanidee jetzt doch nicht mehr so gut. Tiefe Verzweiflung gepaart mit bodenloser Hoffnungslosigkeit.

12:53 Uhr

Nach einem Paar Wiener Würstchen mit Senf überfällt mich neuer Tatendrang. Wieso lasse ich mich immer wieder von mir selbst ins Bockshorn jagen? Natürlich ist die Romanidee gut, was sag ich, fantastisch. Das Thema ist gesellschaftlich relevant (Luxus / Verarmung), politisch brisant (Klimaerwärmung / Gentechnologie), spricht sowohl Männer als auch Frauen an (Raketenautos / Tulpenzwiebeln) und alleine der Titel sprüht schon vor unterschwelliger Erotik (Narziss und Goldmund). Muss sofort mit meinem Agenten wegen des dringend benötigten Vorschusses telefonieren.

11:55 Uhr

Niederschmetterndes Telefonat mit meinem Agenten. Er will ein Exposé und 30 ausgearbeitete Seiten. Wie stellt er sich das vor, ohne Vorschuss?

12:48 Uhr

Arbeit am 2. Kapitel, während ich mit meiner Tochter Monopoly spiele, twittere und die FAZ lese. Multitasking kann eben auch nicht jeder.

12:55 Uhr

Das 2. Kapitel ist im Sack. „Tief drunten in der Erde verträumte die Tulpenzwiebel ihre Tage, während über ihr ein Raketenauto hinwegrauschte.“ Das hätte selbst Thomas Mann nicht besser hinbekommen.

13:10 Uhr

In der „Oberholz“ reden alle über David Bowie. Wer zum Teufel interessiert sich schon für Bowie? Sehen die nicht, das ICH hier sitze? Trottel.

13:48 Uhr

Schon wieder eine Terrabyte Festplatte mit Fotos aus meinem Leben gefüllt. Die 28igste inzwischen. Die Nachwelt wird’s mir danken.

14:29 Uhr

Sitze im Kempowski-Archiv und recherchiere über die Bedeutung der Tulpenzwiebel im 3. Reich. Diese verblödeten Studenten um mich herum merken gar nicht, wer da unter ihnen weilt. Haue noch heftiger in die Tasten meines MacBooks als ohnehin schon. Na, wer sagt’s denn, schon drehen sich zwei nach mir um.

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