Raketenautos und Tulpenzwiebeln #3

17.01.2016, 11:16 Uhr

Was für ein glorreicher Tag. Ich schäume über vor Ideenreichtum. Vielleicht sollte ich eine Karriere als Pianist ins Auge fassen, das Zeug dazu hätte ich. Tippe mit der linken Hand das neue Kapitel von „Raketenautos und Tulpenzwiebeln“ in mein Laptop, während ich mit der rechten ein Exposé für ein Radiofeature entwerfe. Auf ARD läuft „Die Salzprinzessin“.

75 Jahre 2. Weltkrieg. Die Atombombe – Fluch und Segen der Menschheit.

Als die Atombomben Little Richard und Fat Tony, durch nichts angetrieben außer die Schwerkraft, über Hiroshima und Nagasaki explodieren und damit vor genau 75 Jahren dem 2. Weltkrieg ein Ende setzten, ahnten die Menschen noch nicht, dass ihnen eine strahlende Zukunft bevorstand. Strom aus der Steckdose. Was in den Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch wie Science Fiction klang, ist heute längst Realität geworden.

Bringe noch das Wort „Jubelläum“ unter, um zu verdeutlichen, dass das Feature durchaus unterhaltsame Züge tragen wird und schicke dann das Exposé an alle mir bekannten Redaktionen und Redakteure, darunter zehn bei Deutschlandradio und acht beim WDR. Jetzt heißt es abwarten.

11:44 Uhr

Keine halbe Stunde später erreicht mich die erste Rückmeldung. Sie ist vom NDR. Sehr erfreulich. Habe offenbar die Nase wieder ganz weit vorn. Wo ich bin, ist oben. Meine Journalistenkollegen schlucken nur noch den Staub, den ich aufwirble, während ich ihren träge arbeitenden Provinzhirnen davonstürme.  In freudiger Erwartung öffne ich die Mail.

Sehr geehrter Herr …,

das ist aber ein ganz heißes Eisen, das Sie da anpacken. Sie verfügen offenbar über Quellen, von denen wir Normalsterbliche nur träumen können. Ich kann nur sagen: Die Geschichte des 2. Weltkrieges muss neu geschrieben werden.

Na also. Geht doch. Endlich weiß mal jemand die Qualität meiner Arbeit zu würdigen.

Leider muss ich Ihnen jedoch mitteilen, dass es uns aufgrund der Brisanz des Stoffes nicht möglich ist, das Feature in unserer Sendung „Sport im Norden“ einzuplanen. Da würden denn doch zu viele Köpfe rollen. Wir bedauern dies sehr, hat uns Ihr Exposé doch den ganzen Tag versüßt. Bleiben Sie bei dem Thema aber auf jeden Fall am Ball. Vielleicht haben Sie bei unseren Kollegen der Sendung „Schabat Schalom“, denen Sie das Exposé ja ebenfalls haben zukommen lassen, mehr Glück. Einen schönen Sonntag noch.

Diese Volltrottel vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Feige bis zum geht nicht mehr. Hängen an ihren Posten, wie das Faultier am Eukalyptusbaum. Dennoch sehe ich die Absage eher positiv. Von 378 Redaktionen wird schon eine anbeißen.

13:54 Uhr

Meine Tochter hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass der 2. Weltkrieg nach meiner Zeitrechnung bereits 1941 vorbei war. In der Schule hätte sie etwas anderes gelernt. Na, wird schon niemand merken. Kann schließlich nicht jeder seinen Doktor in DDR-Geschichte gemacht haben.

14:30 Uhr

Frage meine Tochter, was sie mal werden möchte, wenn sie groß ist? Lektorin bei einem renommierten Verlag oder eine berühmte Schriftstellerin, so wie ihr Vater? Wenn ich groß bin, will ich ein Eukalyptusbaum werden, sagt sie, und ob ich ihr zum Geburtstag ein Faultier schenke.

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Eine Antwort zu “Raketenautos und Tulpenzwiebeln #3

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