Raketenautos und Tulpenzwiebeln #16

24.02.16 – 14:48 Uhr.

Julius verfluchte seinen Entschluss, auf russische Raketentechnik und einen amerikanischen Mechaniker namens Onethumb-Lefthand-Foureye vertraut zu haben. Onethumb-Lefthand-Foureye – was war das überhaupt für ein Name? Wer sich so nannte, brauchte sich nicht zu wundern, eines Tages von einem Sputnik getriebenen Lada ins Jenseits befördert zu werden. Tatjana hatte sich wohl bei der Zusammensetzung des Raketentreibstoffes vertan. „War wohl etwas viel Wodka im Tank“, war ihr augenzwinkernder Kommentar zum Tode des unglückseligen Mechanikers. Julius indessen hegte den nicht unbegründeten Verdacht, dass Tatjana absichtlich die Formel, die einst die Hündin Laika ins All katapultierte, zu ihren Gunsten verändert hatte, lag sie ihm doch seit Beginn ihrer „Geschäftsbeziehung“ in den Ohren, dass sich ihr Cousin Wasiliwitsch Grosny Jerofejew, kurz Stalingrad genannt, für den Umbau und die Optimierung eines 76er Ladas zum Raketenauto weit besser eigne, als ein hinterwäldlischer Cowboy, der doch bestenfalls etwas von den Darmwinden eines Gaules verstünde. Im Vergleich zu dem vierschrötigen Bullen aus dem Kaukasus jedoch, dessen hervorstechendste Eigenschaft sein  überdimensionierter Glockenturm von Nase war, die gezeichnet von den Jahrzehnten überschwenglichen Alkohlgenusses mehr einer Runkelrübe als einem menschlichen Körperteil ähnelte und in der er gerne mal eine seiner gewaltigen Wurstfinger nach Öl bohren ließ, im Vergleich zu jenem also erschien Julius rückblickend Onethumb-Lefthand-Foureye wie ein Ausbund an Kompetenz. Aber was blieb ihm übrig? Angesichts der unwirtlichen Einöde und dem bescheidenen Salär, das er aufzubringen imstande war, kamen eigentlich nur Russen und Mexikaner infrage, und in diesem Fall war seinen Wahl natürlich klar, hatten die Russen doch zumindest Tolstoi und Dostojewski hervorgerbracht, wohingegen die Mexikaner offenbar zu nichts anderem imstande waren, als ihr Leben in einer endlosen Siesta zu verplempern. Wieso sich Onethum-Lefthand-Foureye überhaupt von ihm in diese Wüste hat locken lassen, war Julius stets ein Rätsel gewesen, aber wer händeringend nach Mitstreitern für ein aberwitziges Vorhaben wie das seine suchte, vermeidet allzu intime Fragen nach Herkunft und Vergangenheit des Personals.

Onethumb-Lefthand-Foureyes Beerdigung verlief weitgehend wie sein Leben. Sie suchten eine Stelle in der Wüste und harkten sich durch die Salzkruste. Neben zwei kopulierenden Hunden, einem dutzend Geiern und ihm selbst waren nur noch Tatjana und ihr gerade eben erst eingetroffener Cousin anwesend, mit dem sie, unbeeindruckt von seinen scharfen Bemerkungen über Pietät und Respekt vor dem Toten, hemmungslos schäkerte.

Der Wind pfiff die Melodie des Todes, die Sonne brannte, als gäbe es kein Morgen, Julius warf ein paar Tulpenzwiebeln in das Loch, dass die Geier nicht lange fernhalten würde, sofern sie schneller als die Hunde waren, Tatjana ließ einen ohrenbetäubenden Furz fahren, begleitet von einem alkoholgeschwängerten Rülpser ihres Cousins, und das wars dann für Onethumb-Lefthand-Foureye, von dem bald nichts anderes mehr übrig sein würde, als ein paar abgenagte Knochen.

2 Kommentare

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2 Antworten zu “Raketenautos und Tulpenzwiebeln #16

  1. ostberlin36

    Och Manno, wer will schon den Romanfragment von *…* lesen, mach mal Hintergrundbasching weiter…, oder willst du *…* überholen?

    • robertweber

      Immer mit der Ruhe. Das Grundkonzept ist schon so, dass auch der Roman im Original auch immer wieder auftaucht und nicht nur erwähnt wird, zumal will ich mich mit den Auszügen für die Nacht der schlechten Texte bewerben, sollte ich damit genommen werden, hätte ich natürlich eine Meta-Meta-Ebene, die dann wieder zurück fließt in den Blog usw.

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