Raketenautos und Tulpenzwiebeln #19

06.04.2016, 12:58 Uhr.

Ach Julius, geliebter Mann, zuviel hast Du Deiner ergebenen und treuen Gefährtin in all den Jahren, in denen Du dem Ruhm hinterher jagtest, wie der stolze Falke dem Kaninchen auf dem Felde, abverlangt, mehr, als ein Mensch ertragen konnte. All die Entbehrungen, all die angstschweißdurchwachten Nächte, all das Zittern und Bangen jedes Mal, wenn Du in jenes verfluchte Gefährt stiegst, das Dich dem Olymp aber mich dem Hades immer näher brachte, all das Gerede von Reifendruck, Raketenstufen und Treibstoffzusammensetzungen, immer wissend, dass jede Fahrt Deine letzte sein könnte. Teuerster Julius, vergib Deiner armen Frau, die ihr Leben klaglos an Deiner Seite verbrachte, verzeih ihr die Schwäche, die fehlende Kraft um weiterhin auszuharren wie die Feldmaus vor der Natter des Todes, spar Deine Tränen, ich bin Deiner nicht würdig, nur um eines bitte ich Dich: Begrab mich an der Biegung des verdorrten Tulpenfeldes in der Wüste vor unserem Wohnmobil.

Und mit diesen letzten, tränendurchtränkten Zeilen hauchte die zarte Petunia ihr Leben aus, einem Schmetterling gleich, dem die Flügel gebrochen, während Julius, erschöpft vom Kampfe mit dem kaukasischen Bullen, nichtsahnend die Tür öffnete und ihren Namen rief.

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