Raketenautos und Tulpenzwiebeln #20

12.04.2016, 11:57 Uhr.

Ausgestoßen bin ich, ausgestoßen selbst unter den Ausgestoßensten der Ausgestoßenen. Tiefer gefallen bin ich, als je ein menschliches Wesen vor mir, vergleichbar vielleicht mit dem Falle des Engels Luzifer, welcher dereinst aus dem Himmelreiche in die tiefsten Niederungen der Hölle verbannt wurde, und in der Hölle Schlund befinde ich mich, ganz ohne jeden Zweifel. Sehnlichst sehne ich mich nach etwas Anteilnahme, etwas Mitgefühl, ja, sogar einen Hauch von Mitleid würde ich mich, trotz meines angeborenen Stolzes, nicht erwehren, doch jede menschliche Regung hält sich von mir fern, wie das Rehkitz vom Wolfe.

Jener unsägliche Staatsbüttel, dessen Name hier nicht diese Zeilen besudeln soll und daher ungenannt bleibt, jener Höllenfurz also hat seine Ankündigung wahr werden lassen und mich tatsächlich, nach weiteren, zahllosen Selbstanzeigen wegen Volksverhetzung, für unzurechnungsfähig erklärt, und so geschah es, dass eines Tages die Büttel des Büttels vor meiner Tür standen und mich ich die geschlossene Abteilung der Schlossparkklinik verbrachten. Dort wurde willfährig die Diagnose bestätigt, dass ich meines Geistes nicht mehr mächtig sei und eine ausgedehnte Verabreichung von Psychopharmaka der einzig proppere Weg wäre, um meinen vermeintlichen Wahnvorstellungen Einhalt zu gebieten. Und so kam es, dass ich die vergangenen Wochen in einem Dämmerzustande verbrachte, dem Winterschlafe eines Igels gleich, unterbrochen nur von einigen Tobsuchtsanfällen meinerseits, die wiederum zur Folge hatten, dass mein, von Medikamenten aufgeschwemmter Leib, auf eine Pritsche, anders vermag ich jenes Ding nicht zu benennen, fixiert wurde, was meine Wut noch vergrößerte, was diese Wahnsinnigen dazu veranlasste, selbst vor Elektroschocks nicht zurückzuschrecken.

Meine Schreie verhallten ungehört in jenem schalldicht gepolsterten Raume, der für Wochen meine Bleibe werden sollte, bis sich schließlich ein, der Aufklärung verpflichteter, Seelenklempner meiner erbarmte, und mich in eine Einrichtung, „betreutes Wohnen“ bezeichnet, hat überführen lassen. Und hier sitze ich nun, unter völlig Schwachsinnigen, von denen der Eine halluziniert, das Fernsehen würde geheime Botschaften an ihn senden. Ein Anderer ist der Ansicht, seine täglichen Lösungen des Kreuzworträtsels in einer Illustrierten würde den 3. Weltkrieg verhindern. Ein Dritter behauptet steif und fest, von Außerirdischen sexuell mißbraucht worden zu sein. Ein Vierter hört in seinem Kopfe Stimmen. Die Wahnsinnigsten der Wahnsinnigen aber sind die Betreuer, die mir jeden Tag einzureden versuchen, ich leide an dem pathologischen Hirngespinst, ein berühmter Schriftsteller zu sein, hätte jedoch niemals auch nur eine einzige, veröffentlichte Zeile zu Papier gebracht. Von meinen zahlreichen, veröffentlichten Werken sei nirgends etwas vermerkt und auch der Name Heribert Günzelsau tauche in keinem Bibliotheksverzeichnis auf, wie überhaupt mein Name nicht existiere, was ich ja anhand einer Google-Anfrage jederzeit verifizieren könne, was man mir, als Ausnahme von der Regel gestatte und eben dieses ermöglicht mir gelgentlich ein paar hingeworfenen Zeilen an die Außenwelt.

Natürlich erschien tatsächlich keine Person dieses, meines Namens, was mich in der Annahme bestätigt, dass eine großangelegte Verschwörung des Literaturbetriebes gegen mich im Gange sein musste, mit dem Ziele, mein literarisches Hauptwerk  „Raketenautos und Tulpenzwiebeln“ mit aller Macht zu verhindern.

Wer ist denn jener ominöse Kopf von Google? Ist es nicht der, den man den „Schänder der Sprache“ nennt? Ist es nicht jene, die man  gemeinhin als „Verderberin der Literatur“ bezeichnet? Ist es nicht „Der Bücherfresser“, der hier sein Unwesen treibt oder die „Verweserin der Poetik“? Natürlich hatten all jene meinen Namen aus dem digitalen Gedächtnis der Menschheit getilgt, wären doch all die Möchtegerns wie Heine, Rielke, Ringelnatz, Goethe oder Kleist mit Erscheinen meines Werkes auf ihren angestammten Platz verwiesen, der dem Lokus der Literatur gleichkäme. Natürlich mussten Sie einen Schriftsteller meines Formates der Weltöffentlichkeit unterschlagen, sonst wären alle Bücher die je gedruckt wurden, als das enttarnt, was sie, im Vergleich zum Schaffen eines Heribert Günzelsaus, sind: Schund und Dreck, allen voran die Elaborate eines Thomas Mann, diesem Schmierenkomödianten, der mich, selbst aus dem Grabe heraus, mit seinen rudimentären Kenntnissen der deutschen Spache verhöhnt.

 

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